Mit einer Einführung von Christopher Bollas und einer Replik von Jacqueline Rose. Aus dem Englischen von Miriam Mandelkow."Freud und das Nichteuropäische" dreht sich um Sigmund Freuds letztes Werk "Der Mann Moses" und die monotheistische Religion. Edward Said arbeitet die Radikalität von Freuds Schrift zu den Grundlagen von Identität deutlich heraus: Moses, ein Fremder, ist gleichzeitig der Gründungsvater des Judentums. Hier werden enge Vorstellungen von Identität aufgesprengt - eine Chance, in die Offenheit zu entkommen. Daraus folgernd entlässt Said denn auch seine Leser mit der Frage: "Wird sie jemals die nicht ganz so heikle Basis eines binationalen Staates in einem Land der Juden und Palästinenser bilden, in dem Israel und Palästina Teile sind statt Gegner mit ihrer je eigenen Geschichte und der zugrunde liegenden Wirklichkeit? - Ich zumindest glaube daran."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.12.2004
Zwei vom Tode gezeichnete Wissenschaftler beschäftigen sich in jahrzehntelangem Abstand mit der jüdischen Identität, wobei der eine den anderen interpretiert: nämlich der in Jerusalem geborene Ägypter Edward Said den Vater der Psychoanalyse, Sigmund Freud. Saids Nähe zu Freud mag überraschen, stellt Klaus Englert fest, denn früher hätte Said bei Freud eher ein eurozentristisches Kulturverständnis vermutet. Doch es sei kein Zufall, meint Englert, dass Said kurz vor seinem Tod ausgerechnet in London, Freuds letztem Wohnsitz, einen Vortrag über dessen Spätschrift "Der Mann Moses und die monotheistische Religion" gehalten habe. In diesem Text habe Said eine Art Geistesverwandtschaft zwischen sich und Freud feststellen können, behauptet Englert, da Freud darin die These habe gelten lassen, der Mann Moses sei eigentlich ein Ägypter gewesen. Auch wenn Said heute zu ganz anderen Schlußfolgerungen gelange als damals Freud, schreibt Englert, so käme ihm Freuds komplexe Befragung der jüdischen Vergangenheit entgegen, schon allein deshalb, weil Said damit auf die Verdrängung der nichtjüdischen Einflüsse im Staat Israel hinweisen könne.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 26.06.2004
Postum erscheint dieses Buch des Orientalismuskritikers, Palästinenser-Vorkämpfers und Columbia-Professors Edward Said. Es beruht auf einem kurz vor seinem Tode gehaltenen Vortrag zum Verhältnis von Israel zu Freud. Im Zentrum steht Freuds immer schon umstrittene Schrift "Der Mann Moses", die nachzuweisen versucht, dass Moses Ägypter gewesen ist. Die Pointe des Ganzen ist für Freud - so jedenfalls Said - die Subversion einer völkischen Identität: schon die mythische Gründungsfigur der mosaischen Religion war kein Jude. Daraus, meint Said, hat Israel zu lernen versäumt. Die Einsicht Freuds wird verdrängt - und deshalb könne das Phantasma eines palästinenserlosen Israel weiter existieren. Der Rezensent Martin Lüdke befindet: das ist "pfiffig gedacht".
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