Jaume Cabre

Das Schweigen des Sammlers

Roman
Cover: Das Schweigen des Sammlers
Insel Verlag, Berlin 2011
ISBN 9783458175223
Gebunden, 844 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Aus dem Katalanischen von Kristen Brandt. Der Antiquitätenladen des Vaters in Barcelona ist eine wahre Schatzkammer, doch die Faszination des jungen Adria gehört allein einer wertvollen Geige aus dem 18. Jahrhundert mit einem bezaubernden Klang, die erste aus den Händen des berühmten Geigenbauers Lorenzo Storioni aus Cremona. Heimlich tauscht der Musikschüler Adrià sie eines Tages mit seiner eigenen Geige aus, um sie stolz seinem besten Freund Bernat zu zeigen. Als er die Storioni zurücklegen möchte, sind seine Geige und sein Vater verschwunden, der Antiquitätenhändler wurde kaltblütig ermordet. In Adrià keimen Schuldgefühle auf.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2012

Jaume Cabrés Buch ist für Florian Borchmeyer nicht weniger als der "wohl wichtigste" Roman Spaniens seit vielen Jahren. Und das, obgleich er nicht mal genau zu sagen weiß, was genau er da in Händen hält. Ist es ein Krimi? Ist es ein Geschichtswerk, eine Confessio? Für Borchmeyer steckt von allem etwas darin. Und Cabrés Meisterschaft zeigt sich für ihn gerade in der Fähigkeit, das Unmögliche zu tun und eine handlungsreiche Familiengeschichte mit den Verwerfungen eines halben Jahrtausends zu verbinden, mit den Inkarnationen der Gewalt vor allem, von der Inquisition über die Weltkriege bis zu Francos Regime. Dafür einen an Alzheimner leidenden Erzähler einzustellen, hält Borchmeyer für einen besonderen Dreh des Autors. Sämtliche erzählerische Experimente bringt Cabres so lässig unter, ohne prätentiös avantgardistisch zu wirken. Einfach virtuos, findet Borchmeyer.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.02.2012

Als meisterhaft preist Kersten Knipp Jaume Cabres Roman "Das Schweigen des Sammlers". Seinen Ausgang nimmt er im Barcelona der 1960er Jahre bei einem Geigenvirtuosen und Sprachbegeisterten, dessen kostbares Instrument einst unter undurchsichtigen Umständen in Auschwitz in den Besitz seines Vaters gelangte. Der Vater wird wegen dieser Geige ermordet, der Sohn kann sich im Verlauf des Roman nicht zur Rückgabe des Instruments an seine rechtmäßigen Besitzer entschließen, erfahren wir. Dieser Roman ist weit mehr als eine Kriminalgeschichte um das Verhältnis von Kunst und Verbrechen, versichert der Rezensent, der hier ein grandioses Werk über Europa und seinen Absturz im 20. Jahrhundert gefunden hat. Knipp ist hingerissen vom zugleich ernsten und eleganten "Ton" dieses Romans und seinem schwingenden Rhythmus zwischen Dialogen und Erzählung, mit dem die großen Themen des Romans zueinander in Bezug gesetzt werden.