Bernstein beschreibt die Entwicklung der Arbeiterbewegung von utopistischer und revolutionärer Sektiererei zu einer politischen und wirtschaftlichen Organisation. Er erörtert die in der Arbeiterbewegung wirksamen Ideen: die Ideen der Gleichheit, der Gemeinschaft, der Selbstbestimmung. Diese Ideen sind in allen Aktivitäten der Arbeiterbewegung wirksam: beim Aufbau von Parteien und Gewerkschaften, im Recht und in der Ethik des Klassenkampfes, in ihrem Verhältnis zur Gesellschaft und zum Staat. Bernstein wagt die Zuversicht, dass der "moderne proletarische Geist" sehr langsam, aber mit immer größerer Kraft die Gesellschaft von innen umgestaltet. Hans G. Nutzinger kommentiert Leben und Werk dieses oft als Revisionisten geschmähten sozialdemokratischen Theoretikers und Politikers und würdigt die fortdauernde Aktualität seines Denkens.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.08.2008
Gerald Braunberger begrüßt die Entscheidung für eine Neuausgabe von Martin Bubers Sammlung "Die Gesellschaft", einer Reihe von 40 Bänden über gesellschaftliche Themen wie das Proletariat, die Börse, die Religion, die Zeitung, den Weltverkehr, das Warenhaus und anderes, die der Religionsphilosoph vor rund 100 Jahren herausgeben hat. Er hebt hervor, dass die im Laufe der nächsten Jahre erscheinenden Bände um einen modernen Kommentar erweitert werden. Zudem werde die Reihe um zeitgenössische Themen ergänzt, die sich bei Buber nicht finden. Braunberger wirft einen kurzen Blick auf zwei bereits vorliegende Bände aus der Sammlung: "Das Proletariat" von Werner Sombart und "Die Arbeiterbewegung" von Eduard Bernstein. Besonders schätzt er Friedhelm Hengsbachs instruktive Einordnung der Sombartschen Kapitalismusanalyse. Eduard Bernsteins Beschreibung der Arbeiterbewegung vom späten Mittelalter bis ins frühe 20. Jahrhundert scheint ihm als Überblicksdarstellung auch heute noch "sehr gut geeignet".
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