Ludwig Hohl

Die seltsame Wendung

Novelle
Cover: Die seltsame Wendung
Suhrkamp Verlag, Berlin 2023
ISBN 9783518225509
Kartoniert, 160 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Mit einem Nachwort von Anna Stüssi. Herausgegeben im Auftrag der Ludwig Hohl Stiftung von Magnus Wieland. Ein namenloser Künstler sucht in der fremden Großstadt Paris sein Glück. Er gelangt in die Hände des dubiosen Kunsthändlers Schwänzel und in eine Gesellschaft von Trinkern und Herumtreibern im Montparnasse-Quartier. Seine materiellen Sorgen ertränkt er im Alkohol, der ihn zugleich in euphorische Zustände versetzt. Doch aus seiner Schaffenskrise retten ihn diese nicht. Erst ein Autounfall führt den Künstler schließlich zur 'seltsamen Wendung' seines Daseins. In seiner hier erstmals publizierten Novelle schildert Ludwig Hohl aus eigener Erfahrung den Existenzkampf eines Künstlers um Anerkennung: zerrieben zwischen persönlichen Ambitionen und den Mechanismen des Kunsthandels, zwischen innerer Einsamkeit und der trügerischen Trinkgeselligkeit in Straßencafés, gefangen von der zerstörerischen Kraft des Alkohols. In einer ungeschliffenen, unmittelbaren Sprache führt uns der Erzähler in den Mahlstrom von Ekstase und Verzweiflung, in das Ringen um ein absolutes Werk, das als Vision stets aufscheint, sich in Realität jedoch nur als große Leerstelle, als unendliches Rauschen erweist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.2024

Ein wenig Nerven braucht man schon, um das Säufertum zu ertragen, das Ludwig Hohl in dieser erstmalig erscheinenden Novelle schildert, warnt Rezensent Matthias Weichelt. Unmengen an Alkohol schüttet der Protagonist in sich hinein, der sich im Paris der 1920er Jahre als Künstler versucht. Für ihn sind nächtliche Streifzüge und Trinkerei nötig, um kreativ zu werden, führen aber auch zu einem "zunehmenden Kontrollverlust", so der Kritiker. Es folgt Trinkgelage auf Trinkgelage, geschildert in starker expressionistischer Sprache, erläutert Weichelt. Die in den 1930er Jahren entstandene Novelle trägt autobiographische Züge, vermutet er, Hohl allerdings konnte sich später nicht mehr mit ihr identifizieren und sich nie dazu durchringen, den Text zu veröffentlichen, erfahren wir. Die Zerrissenheit des Künstlertums zwischen "verzweifeltem Rausch" und kreativem Schaffen sieht der Rezensent hier intensiv und glaubhaft dargestellt.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 02.12.2023

Einen äußerst eigenwilligen Autor kann Rezensentin Angela Gutzeit mit einem ganzen Bündel an Neuausgaben kennenlernen: Ludwig Hohl war ein "exzentrischer Sonderling" aus der Schweiz, dessen fünf nun von Suhrkamp herausgegebene Texte auf der Grenze zwischen Fiktion und Autobiografie tanzen: Ein Psychiatrie- und ein Gefängnis-Bericht finden sich in "Zehn Tage/Bericht über einen inneren Aufenthalt" ebenso wie Schilderungen eines Bohemien-Lebens in "Die seltsame Wendung" und "Die vorletzte Station", erfahren wir. Nicht alle der Texte sind fertiggestellt worden, das lässt sich auch in den jeweiligen Nachworten lesen, die unter anderem Ulrike Draesner und der Germanist Alexander Langenbacher verantworten, so Gutzeit, doch das macht sie für sie auch besonders intensiv - sie sind ungeschönt und nah an dem, was der Autor im Gefängnis, in der Psychiatrie, in der künstlerischen Beinahe-Verwahrlosung erfahren hat. Auch zur Erscheinungs- und Rezeptionsgeschichte weiß die Kritikerin einiges zu berichten: Hohl war von seinem ersten Verlag fallengelassen und tief enttäuscht worden, ein Rechtsstreit hat sich angeschlossen, auch der Wechsel zu Suhrkamp sorgt nicht für den erhofften literarischen Durchbruch. Diese Neuausgabe lädt dazu ein, den extravaganten Dichter neu zu entdecken, hofft sie.

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