Dubravka Ugresic

Baba Jaga legt ein Ei

Roman
Cover: Baba Jaga legt ein Ei
Berlin Verlag, Berlin 2008
ISBN 9783827007483
Gebunden, 367 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Kroatischen von Mirjana u. Klaus Wittmann. "Baba Jaga ist eine böse und hässliche Greisin, der man nachsagt, sie fresse kleine Kinder. Sie ist eine mythische 'Episodengestalt' und hat oft eine Schlüssel-, nie jedoch eine Hauptrolle. Wer möchte sich schon mit einer solchen Figur befassen!? Und dennoch ist Baba Jaga eines der ältesten archetypischen Bilder in der Geschichte der Menschheit, das in uns allen, Frauen wie Männern, tief verwurzelt ist. Bei der Entscheidung, sie zu meinem Thema zu machen, ließ ich mich vielleicht von einem Gerechtigkeitsgefühl leiten oder aber auch von dem kindlichen Wunsch, in Baba Jagas Hütte hineinzuschauen, hinter den Spiegel zu sehen. In literarischer Hinsicht war dies eine anspruchsvolle Aufgabe." - Dubravka Ugresic

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.03.2009

"Viele Talente" bescheinigt Rezensent Kai Wiegandt der Autorin Dubravka Ugresic, die in ihrem Buch über den Mythos der vor allem im slawischen Raum bekannten Baba Jaga gleich Dreierlei integriert: Autobiografie, Roman und wissenschaftliche Abhandlung. Durch diese "subtil miteinander verbundenen" Abschnitte gelinge es ihr, die alte, hässliche Hexe, die für viele die Verkörperung des Ekels bedeutet, von verschiedenen Seiten zu beleuchten. So zeichnet sie zum Beispiel drei Porträts gänzlich unterschiedlicher Frauen im mittleren Teil des Buches oder schreibt zum Schluss einen Essay, der ihr die Gelegenheit bietet "eine Fülle von Wissen unter die Leser zu bringen". Besonders freut sich der Rezensent über die Tatsache, dass Ugresic der sonst häufigen frauenfeindlichen Darstellung der Figur nicht anheim gefallen sei.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.02.2009

Judith Leister bescheinigt der kroatischen Autorin Dubravka Ugresic Raffinesse in der Zusammensetzung ihres Buches, in der die slawische Märchengestalt der menschenfressenden Baba Jaga eine zentrale Rolle spielt. Ist der erste Teil laut Rezensentin eine autobiografisch gefärbte Erzählung um eine an Demenz erkrankte Mutter und ihre schriftstellernde Tochter, so dringen in der grotesken Geschichte um drei ältere Damen in einem Wellness-Hotel geheimnisvolle Motive in das Buch ein. Im dritten Teil schließlich soll eine "Folklorekundlerin" die beiden vorangegangenen Romanteile interpretieren und breitet im Zuge dessen die ganze Mythologie der Baba Jaga aus, die bei ihr Züge der griechischen Schicksalsgöttinnen und auch der "Großen Göttin" erhält. Schreibanlass dieser Hexengeschichte könnte nach der Vermutung Leisters die "Hexenjagd" sein, die die Autorin wegen ihrer Kritik am kroatischen Nationalismus erlebte, und die sie 1992 aus Kroatien vertrieb.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2008

Ein Buch über das Alter, und zwar eines, das sein Thema so gnadenlos wie gnädig verhandele, zeigt Rezensentin Ilma Rakusa mit diesem neuen Roman der kroatischen Schriftstellerin Dubravka Ugresic an. Erzählt werde die Geschichte von drei alten Ladies, die jedoch bald ins Fantastische abhebe. Bei den Damen handelt es sich um Beba, die im tschechischen Kurbad zur Roulette-Millionärin wird, um Kukla, die bei Golfspielen versehentlich einen Amerikaner ums Leben bringt, sowie Pupa, eine ehemalige KZ-Insassin. Doch die Dinge, die Ugresic den Damen geschehen lasse, stammen dem Eindruck der Rezensentin zufolge eher aus einem Märchenskript als aus der Wirklichkeit. Und das scheint auch gut so und ein Quell großen Lesevergnügens zu sein, auch der ironischen Ausfälle gegen ?Lebensverlängerungswahn, Schönheitsindustrie und Wellnesskommerz? wegen. Dass im dritten Teil dann auch noch das hexische Element stark hervorgehoben wird, macht die Sache für die Rezensentin erst richtig rund.