Aus dem Serbischen von Bärbel Schulte. "Bremen", fragt einmal Ivan, der Held des Romans, "ist das Stadt, Pension, Hafen oder Lager?" Dragan Velikic verwebt die Schicksale dreier Generationen von Emigranten und erzählt vom ungewöhnlichen Leben des Straßenbahnfahrers Emil Kohot, vom absoluten Gehör Ivan Bazarovs, vom Verschwinden Johann Kastendieks und von Belgrader Hotels und Karlsbader Pensionen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.08.2002
Karl-Markus Gauß ist von dem sechsten Roman des Serben Dragan Velikic über Orte, Personen und Dinge, die mit der Stadt Bremen in Verbindung stehen, tief beeindruckt. Vor allem das Talent des Autors, alles miteinander zu verknüpfen, real und in der Phantasie, lobt er. Mit "kompositorischem Raffinement" lasse Velikic seinen Protagonisten Ivan Batarov, ein Portier in Belgrad, nach den Spuren seines Vaters suchen, der im Zweiten Weltkrieg in einem Zwangsarbeiterlager bei Bremen verschollen ist. Besonders begeistert ist der Rezensent von der "Leichtigkeit", Souveränität und "Beiläufigkeit", mit der Velikic Distanzen zu überwinden und "Welthistorie" in eine Familiengeschichte zu packen wisse. Auch wenn sich Gauß an manchen Stellen etwas weniger Doppelbödigkeit gewünscht hätte, hält er Velikic zweifellos für einen Autor, der gekonnt "bizarre Anekdoten", "markante Details" und "kluge Reflexionen" in seinem Roman untergebracht habe und die Kunst beherrsche, den modernen Roman eines Broch oder eines Musil "spielerisch mit postmodernem Zauber- und Blendwerk" zu verbinden.
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