David Albahari

Fünf Wörter

Erzählungen
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783821857510
Gebunden, 180 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Aus dem Serbischen von Mirjana und Klaus Wittmann. In Albaharis Erzählungen geht es um Sprach- und Heimatlosigkeit, die Last der Erinnerung und die Einsamkeit des Menschen - Themen, die kaum ein Schriftsteller der Gegenwart so faszinierend in Worte zu fassen versteht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.07.2005

David Albahari, setzt Martin Luchsinger gleich an den Anfang, "ist ein großer Sprachkünstler und ein abgrundtiefer Melancholiker von unverwechselbarer Eigenständigkeit". Und damit ist auch schon das wichtigste über dieses 22 Erzählungen gesagt, die der Rezensent jedem ans Herz legt, der Albaharis Romane kennt. Wie diese, schreibt er, überführen sie die Entwurzelung, die der Autor erfahren hat, als er 1994 aus seiner serbischen Heimat ins kanadische Exil ging, in Geschichten über die "Einsamkeit" und die "Unbehaustheit" und sind zugleich, "mal lakonisch und mal beredt", "ein Einspruch dagegen". Dabei treten, so Luchsinger, die unterschiedlichsten Figuren auf. Ob Serbien oder Kanada der Schauplatz ist, ob es um einen Briefträger oder den Papst geht, ob witzig oder erotisch - unwiderstehlich, so das Fazit, sind diese Erzählungen in jedem Fall.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.03.2005

Alle Werke des nach Kanada ausgewanderten Serben David Albahari sind "Variationen des Verschwindens", erklärt Dorothea Dieckmann. Und nur bei Bora Cosic sei der Gedanke des "Vertriebenseins in und aus der Welt" so weit vorangetrieben wie bei Albahari. Auch im vorliegenden Band, eine Mischung aus Neu- und Erstübersetzungen, bleibe der Autor, der in seinen Texten oft selbst auftritt, seiner Thematik treu. Der ständige "Blick in den Abgrund" lässt nicht nur "abgrundtiefe Trauer" spürbar werden, sonder auch "abgründigen Humor". So erscheint etwa einem ungläubigen Papst nicht Gott, sondern eine Kellnerin mit der bevorzugten Sorte Vanilleeis aus der Kindheit. Nicht schwarz sei dieser Humor, meint die Rezensentin, vielmehr "menschenfreundlich". Neben Bora Cosic erinnern Dieckmann die Erzählungen in ihrer "apokalyptischen Weitsicht" an Aleksandar Tismas, die "melancholische Komik" hingegen könne man auch bei Miljenko Jergovics finden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.03.2005

David Albahari hat sich in die "erste Garde der Gegenwartsliteratur" geschrieben, stellt Andreas Breitenstein den heute in Kanada lebenden Schriftsteller serbischer Herkunft vor. Bislang hatte Albahari Romane vorgelegt, die ihn für Breitenstein auf eine Ebene mit Nabokov, Updike, Shephard heben, um nur einige Namen zu nennen, die der Rezensent in seiner Begeisterung aufzählt. Nun hat der Eichborn-Verlag (leider undatierte) Erzählungen Albaharis herausgebracht, die es stilistisch mit seinen Romanen aufnehmen können, nimmt Breitenstein befriedigt zur Kenntnis. Albahari mache es einem Leser aber nicht einfach, warnt der Rezensent, der Autor pflege eine "Poetik der Verstörung, und dies weit über die Schmerzgrenze hinaus". Es ginge Albahari darum, Gewissheiten zu hintertreiben, in der Wahrnehmung, in der Kommunikation, in der Ethik und in der Ästhetik. Seine Protagonisten würden von radikalen Selbstzweifeln heimgesucht, erlitten teilweise starke Ich-Verluste, wie sie Albahari selbst nach seiner Emigration erfahren haben muss und wie er sie in der autobiografischen Erzählung "Unter dem hellen Mond" einfängt. Wer es lieber "behaglich mag", warnt Breitenstein, der lasse seine Finger von der Lektüre der "Fünf Wörter".