Alan Tschertschessow

Requiem für einen Lebenden

Roman
Cover: Requiem für einen Lebenden
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783100102133
Gebunden, 383 Seiten, 22,50 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Annelore Nitschke. "Die Zeit ist müde geworden und verschlissen, und schon ist die neue zur Ablösung da und beschnuppert dich kurzsichtig mit gierigen Nüstern." Alan Tschertschessows Debütroman erzählt, wie Fremdheit zum Ferment von Veränderung wird. Aus der Erinnerung wechselnder Figuren entsteht die Geschichte des "Einsamen", eines selbstbewussten Außenseiters, der gegen die Despotie von Tradition und Gesellschaft aufbegehrt. Ein zehnjähriger Waisenjunge stiehlt ein gestohlenes Pferd zurück. Als die Bewohner des kaukasischen Gebirgsdorfes ihn dabei ertappen, ahnen sie noch nicht, dass der Junge mit dieser symbolischen Tat eine eigentümliche Position eingenommen hat: die des Fremden, der der Gemeinschaft den Spiegel vorhält und alle gültigen Wahrheiten in Frage stellt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.2000

Zwiespältig ist der Eindruck, den Karl-Markus Gauss von diesem Roman hat. Interessant sei er schon, der Versuch, (post)modernes Erzählen und nordossetische Dorfmythen zu verbinden - insgesamt erscheint dem Rezensenten das Ergebnis jedoch eher "merkwürdig". Verwirrend findet er die allzu vielen "ununterscheidbaren Erzähler". Auch werde die Suggestion des Mündlichen durch das "Pathos von Rätsel und Bedeutsamkeit" konterkariert.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.08.2000

Als "literarischer Schauplatz" ist der Kaukasus durch den Krieg in Tschetschenien fast gänzlich aus dem Blick geraten, schreibt Ulrich M. Schmid und erinnert daran, dass vor allem russische Autoren wie Puschkin, Lermentow und Tolstoi den Kaukasus zum Schauplatz einiger wichtiger Werke machten. Tschertschessow ist jedoch Ossete und habe mit seinem Erstlingsroman in Gestalt einer Familiensaga einen seltenen Blick freigegeben auf die kaukasische Innenansicht. Schmid kritisiert allerdings die Verfahrensweise, einem Kind die Erzählperspektive gänzlich zu überlassen. Damit werde der Leser zwar immer wieder durch Motive und Erzählstränge geködert, aber der Bezug der Menschen untereinander werde nie recht deutlich. Am Ende liest man das Buch nicht mehr als "Sinnganzes" sondern nur noch "Zusammenstellung einzelner Handlungselemente", so Schmid.
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