Dominik Graf

Sein oder Spielen

Über Filmschauspielerei
Cover: Sein oder Spielen
C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN 9783406822995
Gebunden, 391 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Dominik Graf ist einer der kompromisslosesten und kreativsten deutschen Filmemacher. Er hat in den letzten vier Jahrzehnten mit großen Stars wie Götz George, Matthias Brandt oder Martina Gedeck, aber auch mit einer Reihe junger Talente auf dem Weg zu großem Ruhm zusammengearbeitet und oft das Beste aus ihnen herausgeholt. In Sein oder Spielen legt er nun die genauso rücksichtslos offene wie hochempathische Summe seiner Erfahrungen als Regisseur und Filmbegeisterter vor und benennt seine künstlerischen Einflüsse. Als erstes Kind eines Schauspielers und einer Schauspielerin hatte Dominik Graf von Kindesbeinen an eine intime Perspektive auf die Schauspielerei. Bei ihm waren Beruf und Leben, Spiel und Wirklichkeit stets unauflöslich miteinander verquickt: ein Kuddelmuddel, wie er selbst schreibt. Grafs Werke wie Die Katze, Im Angesicht des Verbrechens oder Fabian haben stilistisch Maßstäbe gesetzt und sind zu Leuchttürmen der deutschen Filmgeschichte avanciert: rasant und exzessiv gedreht, aber auch mit wunderbaren, nachwirkenden Bildern, ob im harten Polizei-Thriller, im Liebesdrama oder bei der Adaption historischer Stoffe. Temporeiche Künstlererinnerungen und präziser Werkstattbericht in einem, erzählt Graf in Sein oder Spielen auf unnachahmliche Weise eine bis heute unabgeschlossene Erziehung des Herzens im und mit dem Film. Sein Buch ist nicht zuletzt eine Huldigung aller Schauspielerinnen und Schauspieler, mit denen er zusammengearbeitet hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.02.2026

Besser geht's kaum, jubiliert Rezensent Arno Widmann. Ganz aus dem Häuschen ist er angesichts des Buches Dominik Grafs über Filmschauspiel. Kluge Gedanken, die nicht auf Verallgemeinerung zielen, entnimmt Widmann dem Buch, unter anderem zeigt Graf ihm, dass man gerade im Falschen, Schiefen immer wieder Wertvolles finden kann, dass mutiges Scheitern oft besser ist als brave Korrektheit. Was das Schauspiel selbst angeht, bevorzugt Graf das Sein anstatt des outrierten Spielens, was er an unmittelbar einleuchtenden Praxisbeispielen ausführt, unter anderem geht es um eine Szene in Tarantinos "Inglourious Basterds". Aber er macht keine allgemeine Regel daraus, als Leser kann man selbst entscheiden, wo man ihm folgt und wo nicht. Im Weiteren inspiriert Graf Widmann noch zu Gedanken über die Nazis und Trump, was womöglich nicht mehr allzu viel mit dem besprochenen Buch zu tun hat. Der Tenor freilich bleibt durchweg enthusiastisch: Lest Graf!

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.12.2025

Mit Freude vertieft sich Rezensentin Maria Wiesner in Dominik Grafs Buch. Der Filmemacher beschäftigt sich darin laut Wiesner mit Schauspielerei, aber auch mit dem eigenen filmischen Schaffen sowie der eigenen Biografie, etwa wenn er auf die Arbeit seines Vaters, des Schauspielers Robert Graf zu sprechen kommt. Wiesner erwähnt die zentrale Unterscheidung, entlang der Graf übers Schauspiel schreibt: Es geht um Darsteller, die lediglich spielen - ein verbreiteter Typus im deutschen Kino der 1950er und 1960er - sowie um solche, öfter im amerikanischen oder französischen Kino anzutreffen, denen man glaubt, dass sie sind, was sie spielen. Zudem schreibt Graf über die Schauspieltechnik, die notwendig ist, um den Effekt von Authentizität zu erzielen, manchen Darstellern widmet er ganze Kapitel, etwa Isabelle Adjani, oder auch Götz George, mit dem Graf selbst während eines Drehs aneinander geriet. Viel lernt Wiesner von diesem Buch nicht nur übers Filmschauspiel, sondern auch über den Generationenwechsel im deutschen Kino - es war erst Grafs Generation, die Wert auf Authentizität auf der Leinwand legte. Abschließend kommt die positiv gestimmte Rezensentin noch auf die schönen, teils Grafs Privatarchiv entstammenden Illustrationen zu sprechen, die das Buch schmücken.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.06.2025

Ein "definitiv nicht langweiliges Buch" über Schauspielerei und Filmgeschichte legt der Regisseur Dominik Graf hier vor, den Kritiker Thomas Schmid "zu den klügsten und erfolgreichsten deutschen Regisseuren" zählt. Anfang der Achtziger Jahre entscheidet sich der Regisseur, sich vom Kino der "cineastischen Hochkunst" abzuwenden, stattdessen will er Genre-Kino machen, erinnert Schmid, das heißt: Natürlichkeit, alltägliche Szenen, Tatort und Vorabendserie statt Autorenfilm - mit dem US-Genrekino als Vorbild. Was die Schauspielerei angeht, setzt man auf "cooles, trockenes" minimalistisches Spiel, erklärt der Rezensent. Das führt zu seinem Schlüsselmoment in der deutschen Filmgeschichte: der "Geburt von München", Realitätsnähe und "Wahrhaftigkeit" werden zum Trend. Dann, auch diesen Moment nehme Graf in den Blick, kommt die Wende und mit ihr wieder andere Voraussetzungen und Erwartungen ans Filmemachen, als Abschluss dieser Entwicklung kann Florian Henckel von Donnersmarcks "Das Leben der anderen" gesehen werden. So gerät der "Münchner Impuls" wieder aus der Mode, er wirkt aber bis heute in vielen Genres nach. Das alles schildert Graf mit großer Detaildichte, sowohl was Technisches als auch was Namen, Filmtitel und Daten angeht, trocken ist das aber nicht, so der Kritiker, weil alles untrennbar mit den eigenen Erfahrungen des Regisseurs verknüpft wird. Für das Gegenwartskino sieht Graf schwarz, erklärt Schmid abschließend, zu viele Regeln und zu viel Perfektion kritisiert er hier.

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