Erste Folge, erste Szene: Zwei Polizisten suchen nachts auf einem Hinterhof ein Projektil. Sergeant Crosetti präsentiert seinem Partner eines der großen Geheimnisse des Lebens: "Warum nehmen Männer immer ein Buch auf die Toilette mit, Frauen aber nie?" Sein Partner: "Crosetti, you're a little, fat, Italian salami-brain." Der beiläufige Plauderton, die beobachtende Kamera wir erleben hier, wie 1993 mit "Homicide" der Realismus der Polizeiserie neu erfunden wurde. Ein Blick auf "Homicide" ist ein Blick zurück in die Zukunft des seriellen Erzählens.
Die US-Fernsehserie "The Wire" wird allerorts und aus jedem Munde gelobt, weiß Andreas Resch. Wer aber wissen will, wie es zu der "soziologisch wohl komplexesten Serie in der bisherigen TV-Geschichte" kommen konnte, muss sich "Homicide" ansehen, beschwört der Rezensent. In hundertzweiundzwanzig Folgen wird "the ugliest cast in television" (zitiert Resch einen der Macher, Tom Fontana) auf sehr skurrile, aber reale Fälle losgelassen. Das Buch, das Dominic Graf jetzt über die Serie geschrieben hat, findet der Rezensent großartig. Neben Exkursen über die Rolle des Regisseurs im Produktionsprozess solcher Formate in den Staaten hat er darin eine detaillierte Analyse der Besonderheiten von "Homicide" gefunden. Resch meint, Graf anzumerken, dass der sich gern durch sämtliche Folgen geguckt hat, das Buch ist "eine Liebeserklärung an eine Show", meint er. Einen Teil von Grafs Begeisterung für die Serie schiebt der Rezensent darauf, dass viele von dessen Aussagen über "Homicide" sich auch problemlos auf Grafs eigene Arbeiten übertragen ließen. Resch begeistert sich für den Autor, das Buch und die Serie gleichermaßen.
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