Im Zuge der Finanzkrise von 2009 ist die Virtualität der Geldwirtschaft zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit geraten und damit auch die Fiktionalität der Finanzwelt. In der Wirtschaftspresse sowie in einschlägigen Publikationen ist von einer Entkoppelung der internationalen Finanzmärkte die Rede, das Verhalten mancher Propheten der Finanzwirtschaft ähnelt eher dem von Magiern und Taschentrickspielern. Dominierten in der interdisziplinären Forschung zum Thema "Literatur und Wirtschaft" bisher Ansätze, die sich für die Darstellung ökonomischer Sachverhalte in der Literatur interessierten, so ist es nun der fiktionale Charakter der Ökonomie selbst, mit dem sich der Band auseinandersetzt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.03.2012
Ulrike Müller findet die kulturellen und literarischen Betrachtungen von Ökonomie in "Finanzen und Fiktionen" hoch aktuell. Literatur kann die überkomplex gewordene Wirtschaft verständlicher machen, ist sich die Rezensentin sicher. Von ihr erfahren wir, dass die Autoren der Aufsätze aber nicht nur die Abbildung der Wirtschaft untersuchen, sondern auch das Fiktionale in ihr selbst: im Grunde sei jede Ökonomie ganz wie die Literatur "Konstruktion von Wirklichkeit". Ausführlich beschreibt Müller, wie beispielsweise Michael Horvath die Möglichkeiten eines interdisziplinären Dialogs untersucht und Joseph Vogl die anthropologischen Grundlagen des homo oeconomicus. Das Buch ist ein Anfang, den amerikanischen Forschungsansatz des New Economic Criticism auch nach Deutschland zu holen, weiß die Rezensentin.
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