Dietmar Wetzel unternimmt eine diskurskritisch-vergleichenden Lektüre zweier Theorielinien der neueren Sozialphilosophie: identitäts- versus alteritätsorientierte Konzepte. Das Denken des Ethischen und des Politischen wird dabei anhand einer Beschäftigung mit Schlüsselbegriffen, Konstellationen und Figuren der Gegenwartsgesellschaft thematisch an Gerechtigkeit, Geschlecht, Dritte(m) und Gemeinschaft ausgerichtet. Soziologische Essays, dem Intellektuellen, der Hausfrau, dem Grenzpolizisten und dem Flüchtling gewidmet, komplementieren die Analysen. So kann gezeigt werden, dass differenztheoretische Positionen (Levinas/Derrida) den Begriff der Gerechtigkeit um Aspekte der Fürsorge und der moralischen Gefühle erweitern müssen (Benhabib, Cornell).
Als "äußerst ambitioniert", wenn auch "etwas mühselig" zu lesen, stuft Rezensent Jan Engelmann diese Dissertation ein, in der Dietmar J. Wetzel die Figur des Dritten in den Diskursen des Politischen anhand politischer Leitbegriffe wie Gerechtigkeit, Geschlecht und Gemeinschaft untersucht. Wie Engelmann berichtet, kann Wetzel dabei zwei philosophische Diskursformationen ausmachen, die sich in ihrer Stellung zum Dritten im Bereich des Politischen radikal voneinander unterscheiden: die rekonstruktiv-moderne Linie von Habermas, Benhabib und Walzer und die dekonstruktiv-postmoderne Linie von Derrida, Cornell und Nancy. Erstere fasse das Dritte eher als eine neutrale, unparteiliche Instanz auf und halte seine Einbeziehung in die Sphäre des Eigenen mit guten Gründen für möglich, Letztere betone dagegen vor allem die potenzielle Unversöhnlichkeit mit dem "weiteren Anderen" (Georg Simmel). Orientiert an der radikalen Alteritätslehre von Emmanuel Levinas und der Fremdheitsphänomenologie von Bernhard Waldenfels, so Engelmann, plädiere Wetzel für weitere "Grenzöffnungen" bei einer Neubestimmung des Politischen.
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