Dieter Hildebrandt

Die Neunte

Schiller, Beethoven und die Geschichte eines musikalischen Welterfolgs.
Cover: Die Neunte
Carl Hanser Verlag, München und Wien 2005
ISBN 9783446205857
Gebunden, 367 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Dieter Hildebrandt erzählt die Geschichte einer Symphonie, die ein beispielloser musikalischer Welterfolg wurde, und die Geschichten über die Literaten und die Musiker, die diesen Erfolg möglich machten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.08.2005

Des Rezensenten größtes Lob gilt Dieter Hildebrandts Auseinandersetzung mit dem Chauvinismus, der sich gerne auf Beethovens Neunte berufe, besonders der deutsche. So beschäftige sich das siebte Kapitel speziell mit der Zeit des Nationalsozialismus. Allerdings, so Andres Briner, bleibe wieder einmal beim Thema Wilhelm Furtwängler vieles unbeantwortet. Einen angemessen großen Raum nehme bei Hildebrandt auch die bis heute "widersprüchlich" diskutierte Entstehungsgeschichte der Neunten ein. Diese hänge eng mit einer Gesamtinterpretation zusammen und habe schon beim damaligen Publikum Unverständnis ausgelöst, da keine gewohnte Ordnung erkennbar war. Hier wie auch bei anderen Themen vermisst der Rezensent wichtige Diskussionsbeiträge der Vergangenheit, die zumindest hätten erwähnt werden müssen. Insbesondere Biografien englischer Autoren dürften bei einem im Auftrag der Philharmonic Society entstandenen Werk nicht unerwähnt bleiben. Alles in allem habe Hildebrandt jedoch eine "lesenswerte Studie" vorgelegt, die bis zur Funktionalisierung oder auch Kritik der Neunten in zeitgenössischen Filmen reiche.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.04.2005

Die Neunte ist natürlich Beethovens letzte Sinfonie und was wäre die ohne die Verse, die der Komponist Friedrich Schillers "Ode an die Freude" entnommen hat. Beider Geschichte, der Verse und der Sinfonie, verfolgt Dieter Hildebrandt in seinem neuen Buch, und zwar sowohl die Entstehungs- als auch die Rezptionsgeschichte. Das setzt sehr pathetisch ein, wie der Rezensent Wolfgang Schreiber zitiert: Der 7. Mai 1824 wird bezeichnet als "ein Tag für das globale Gedächtnis, ein Datum aus dem Kalender der Menschheitsgeschichte, Vorgriff auf eine unbekannte Nachwelt". Über diesen ersten Pathos-Schrecken kommt der Rezensent aber ebenso hinweg wie das Buch über diesen Tonfall. Rasch finde Hildebrandt seine Rolle als "Sammler historischer Fakten und Überlegungen" und deshalb wird das ganze, so Schreiber, zu einem "schwungvollen, griffig gebauten, mit Überraschungen aufwartenden und sogar amüsant zu lesenden Musikgeschichtsroman".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.03.2005

Als "großmeisterliches und hellhöriges" Buch würdigt Rezensent Wolfram Goertz Dieter Hildebrandts Studie zu Beethovens neunter Sinfonie, in der Schillers Gedicht "An die Freude" zu einem "utopischen Fragment" verknappt wird. Hildebrandt verfolgt die Geschichte dieses "musikalischen Welterfolgs" - vom  Unverständnis des verstörten Publikums bei der Uraufführung über die Heimsuchungen durch Politik und Ideologie im Marxismus und Nationalsozialismus bis hin zur Filmmusik Kubricks und ihrer Verwundung als "Popsubstrat" und "Weihezelebration". Am Ende meldet Hildebrandt Zweifel am "visionären Appell" des Stücks an. "Nur in der Einsicht, dass alle Menschen nicht Brüder werden, nie, nie, nie; nur wenn wir uns klarmachen, dass wir einem Hymnus auf die Vergeblichkeit beiwohnen, dämmert uns eine Ahnung von Widerstand und Widerständigkeit, bis in die letzte Note der Neunten: der Sinfonie des Sisyphus", zitiert Goertz das Resümee des Autors und wünscht dem Buch, es möge eingehen ins "Allgemeingut der Verehrer und der Verweigerer". Nicht ohne allerdings noch ein wenig Kritik anzubringen. Goertz moniert unter anderem das fehlerhafte Register und die Nichtbeachtung der "grandiosen" Aufnahme von Rene Leibowitz.