Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand eine breit gefächerte Bewegung,
die eine Alternative zur industriellen Gesellschaft sein wollte. Ziel dieser
Lebensreformbewegung war es, die Lebensweise der Menschen grundlegend
zu ändern: Vegetarismus, Verzicht auf Alkohol, Leben in freier Natur,
alternative Medizin, Sexualreform und eine Kunst, die das Leben der Menschen
mit prägen sollte, waren zentrale Forderungen. Viele der Protagonisten
der Lebensreform waren Künstler und sowohl von Wagners Musikdramen
als auch seinem Konzept des Gesamtkunstwerks und seinen Spätschriften
beeinflusst, teilweise waren sie bekennende Wagnerianer und Bayreuthianer.
Der Verbindung zwischen Wagner, dem Bayreuth nach Wagners Tod und
dieser wirkungsmächtigen Lebensreformbewegung wird in diesem Buch
erstmals nachgegangen. An ausgewählten Beispielen wird gezeigt, wie
einflussreich Bayreuths Weltanschauung auf die Reformbewegung um die
Jahrhundertwende und bis zum ersten Weltkrieg, gelegentlich darüber
hinaus, gewirkt hat und wie stark dieses Zentrum der Wagner-Pflege über
den unmittelbaren Bereich hinaus Einfluss auf kulturelle und soziale
Lebensentwürfe der deutschen Gesellschaft nahm.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.2018
Rezensent Jürgen Kesting liest das neue Buch von Udo Bermbach als Parerga und Paralipomena aus dem prallvollen Wagneriana-Arsenal des Autors. Jede Menge Wiederholungen, Fußnoten und Verweise entdeckt er, die auf den Chef-Exegeten Wagners hindeuten: Udo Bermbach. Darüber hinaus erfährt Kesting, inwiefern sich Wagners Schriften aus der Zeit des Parsifal im Hinblick auf die Lebensreformbewegung deuten lassen. Wenn die detektivische Energie des Autors dabei mitunter übers Ziel hinausschießt und Fantasie wird, kann Kesting darüber schmunzeln.
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