Dieter Henrich

Werke im Werden

Über die Genesis philosophischer Einsichten
Cover: Werke im Werden
C. H. Beck Verlag, München 2011
ISBN 9783406606557
Gebunden, 216 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Dieter Henrich geht in diesem Buch der Entstehung von philosophischen Konzeptionen nach und entwirft damit zugleich das Kernstück einer noch ausstehenden Literaturgeschichte der Philosophie. Im ersten Teil des Buches werden die Entstehung und die Werkidee philosophischer Hauptwerke von Descartes, Kant, Hegel, Wittgenstein und Heidegger analysiert. Oftmals spielen in der Genese solcher Werke exzeptionelle Momente der Einsicht eine wichtige Rolle. In ihnen wird eine Konzeption gefasst, die Grundprobleme des Denkens löst und zugleich eine Orientierung für das Menschenleben erschließt. Der zweite Teil des Buches entfaltet - in kritischer Bezugnahme auf Rorty, Foucault und Quentin Skinner, aber auch auf Hegel - eine alte Frage auf neue Weise: In welchem Sinne müssen philosophische Konzeptionen als Produkte einer Kultur verstanden werden und inwiefern kann von ihnen gesagt werden, dass sie Erkenntnis nicht nur anstreben, sondern wirklich gewinnen?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.06.2011

Im ersten Drittel seiner Rezension gibt Otto A. Böhmer seine eigenen Einsichten und die Nietzsches und Manns zum Thema der philosophischen Inspiration bekannt, um in einem weiteren Sechstel Henrichs Verdienste um das Thema in früheren Veröffentlichungen zu würdigen. Dann wünscht sich Böhmer eine Literaturgeschichte der Philosophie, zitiert zwei Absätze aus Henrichs neuem Buch, konzediert dass es anregend sei, wünscht sich einen zweiten Band, bezweifelt aber, ob daraus dann die weiterhin ersehnte Literaturgeschichte der Philosophie werden könne. Und überhaupt: Vielleicht finden Philosophie und Literatur nur "in begründeten Ausnahmefällen" zusammen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.05.2011

Die pragmatische Tradition, gegen die Dieter Henrich sich in diesem Band wendet, identifiziert Rezensent Helmut Mayer unter anderem mit Richard Rortys Insistieren auf der Zeitgebundenheit philosophischer Entwürfe. "Nicht für bare Münze" seien diese gemäß einer solchen Lesart zu nehmen, sondern als lediglich eine Ausdrucksform kulturellen Schaffens neben anderen, fasst Mayer zusammen. Henrich nun melde diesbezüglich Zweifel an: In dem epoche- und kulturübergreifenden Phänomen des "plötzlichen Durchbruchs zu einer Grundeinsicht", wie der Rezensent es umschreibt, sei durchaus so etwas wie eine Konstante jeglichen Philosophierens zu sehen. Henrichs Argumentation, die der Rezensent gerade in ihrer Knappheit bestechend findet, ziele schlussendlich darauf ab, jenes quasireligiöse Moment der Initialzündung mit dem systematischen Streben nach letzten Begründungen kurzzuschließen. Kein Widerspruch ist dies in Mayers Augen, sondern der gelungene Versuch der Bestimmung eines "Mehrwerts" von Philosophie über ihre jeweilig historische Aktualität hinaus.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.05.2011

Eine Menge "Vielleichts" stehen in Hannah Lühmanns Besprechung dieses unversöhnlichen Alterswerks des Philosophen Dieter Henrich. Mag sein, Lühmann hat mit diesem Buch wirklich einen gerechtfertigten Aufruf zu einer Literaturgeschichte der Philosophie aus dem Geiste der ernsthaften philosophischen Einsicht vor sich. Dann bliebe ihr immer noch, den stellenweise die nüchterne Akribie durchbrechenden heideggernden Sprachgestus, das idealistische Raunen des Autors zu kritisieren. Aber auch, sich über anregende Einfälle, wie etwa zur Konstellationsforschung, also der Kombination aus Entstehung und Beeinflussung zwischen Literatur und Philosophie, zu freuen. Andererseits erscheint der Rezensentin Henrichs großangelegte Attacke zwischenzeitlich auch als Beleg für eine große Ignoranz. Haben nicht Foucault, Derrida oder Badiou die von Henrich geforderte Literaturgeschichte der Philosophie längst geschrieben?
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