Dieter Borchmeyer

Richard Wagner

Ahasvers Wandlungen
Cover: Richard Wagner
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783458171355
Gebunden, 647 Seiten, 44,90 EUR

Klappentext

Dieter Borchmeyer öffnet mit dem ersten Teil seines Buches - auf der Spurensuche nach Wagners "Urszenen" - gleichsam die dramatische Werkstatt, analysiert die Werke im einzelnen. Der zweite Teil beschreibt exemplarische Vor-, Um- und Wirkungsfelder Wagners. Zum Abschluss wird die tragische Geschichte des ersten Wagner-Enkels Franz Wilhelm Beidler dargestellt. Anmerkungen, eine detaillierte Zeittafel und umfangreiche Register beschließen den Band, der zu einem Standardwerk der Wagner-Forschung werden dürfte. Der Untertitel Ahasvers Wandlungen spielt auf die Rolle des Ewigen Juden in Wagners Werk vom "Fliegenden Holländer" bis zur Kundry des "Parsifal" an.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.01.2004

Besonders interessant fand der Rezensent an Dieter Borchmeyers Ausführungen die Parallelisierung des vom "ewigen Juden" sprechenden Ahasver-Mythos mit dem Künstler-Mythos bei Wagner. Verflechtungen finde man hier etwa in der Figur des Fliegenden Holländers, aber auch bei Kundry. Allerdings wirft Lichtenhahn dem Autor Verharmlosung vor, wenn er Wagners Reden über den "Untergang" der Juden als bloße Erlösungsmetapher deuten wolle. Positiv merkt Lichtenhahn zu Borchmeyers Buch an, dass der Autor bestimmte Kontinuitäten im Werk des Komponisten von den Anfängen bis hin zum "Parsifal" sehr deutlich nachzeichne. Auch die Behauptung von der Wendung ins Christliche in Wagners Spätwerk findet Lichtenhahn einleuchtend. Kritisch merkt der Rezensent an, dass Borchmeyer seine Ausführungen "außer in gelegentlichen Anleihen bei Musikologen" so gut wie gar nicht durch Analysen der musikalischen Faktur seiner Werke belege.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.12.2002

Dieses Buch ist nichts für kurzatmige Leser - kein Wunder also, so der Rezensent Manfred Osten, dass Dieter Borchmeyer versuche, den Leser seiner Wagner-Studie mit einem Thomas-Mann-Zitat (!) zu ködern. Borchmeyer folge in seiner Auseinandersetzung mit Wagner der Empfehlung Nietzsches, nämlich "Wagners Werk zu verstehen als ein ungeheures Gedankensystem". Begeistert ist Osten von Borchmeyers "philologischer Akribie", von seiner "stupenden Sachkenntnis" und "stilistischen Eleganz", mit der er es verstehe aus den "Urszenen der dramatischen Werkstatt Wagners" erhellende Analysen der späteren Opern abzuleiten. Vor allem aber widerlege den von Nietzsche vorgebrachten Antisemitismus-Vorwurf anhand "gründlicher Untersuchungen" verschiedener Opernfiguren. Gerade die Idee der Erlösung im Wagnerschen Werk spreche gegen eine solche antisemitische Interpretation, so der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2002

Dieses Buch will nicht Polemik, sondern Philologie sein, stellt Wolfgang Schreiber gleich zu Anfang klar. Er stellt den Autor als "ausgepichten Kenner" auf literatur- und theaterwissenschaftlichem Gebiet heraus, der sich bereits in früheren Beiträgen mit der Figur Wagners beschäftigt habe. Schreiber lobt das Buch als sehr "lesenswert" und hebt hervor, wie "materialreich" es ist. Insbesondere den Antisemitismusvorwurf, den man unter anderem der Wagnerfigur Beckmesser aus den "Meistersingern" gemacht hat, wird von Borchmeyer genau geprüft, informiert der Rezensent. Das Ergebnis des Autors: "Freispruch auf der ganzen Linie", erklärt Schreiber, der hier - ohne konkret zu werden - offenbar doch einige "apologetischen Bemühungen" erkennt. Den letzten Teil des Bandes, der sich mit dem Enkel des Komponisten Franz Wilhelm Beidler befasst, findet Schreiber von der Thematik her "völlig überraschend", doch offensichtlich interessant.

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