Aus dem Französischen von Christian Leitner. Dass literarisches Erzählen theoretische Qualitäten besitzt, die auch für wissenschaftliche Disziplinen wie die Soziologie fruchtbar gemacht werden können, zeigte Didier Eribon bereits mit seinem Buch "Rückkehr nach Reims". In "Theorien der Literatur" erkundet er nun die theoretischen Möglichkeiten von Literatur anhand bedeutender Werke der französischen Literaturtradition. Eribon demonstriert, wie theoretische Diskurse in literarische Werke einfließen und durch die Umwandlung in literarisches Material eine Weiterentwicklung erfahren. Vor allem am Beispiel von Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" durchleuchtet er das vielschichtige Ineinandergreifen und subtile Spiel von gesellschaftlichem Diskurs und subjektiven Positionen, das die Literatur ausmacht. Im Medium Literatur wird Theorie verarbeitet, mit den Meinungen und Vorurteilen von Figuren konfrontiert und auf unterschiedlichen Erzählebenen reflektiert und gebrochen.
Dass Literatur auch dazu taugt, politische und soziologische Theorien aufzustellen, hat Didier Eribon mit seinem autobiografischen Roman "Rückkehr nach Reims" praktisch vorgeführt, meint Rezensent Stefan Hochgesand. In seinem Essay "Theorien der Literatur" erfährt Hochgesand jetzt mehr über Eribons Vorstellung, dass Literatur auch zu soziologischen Reflexionen - hier vor allem über das Thema Queerness - dienen kann. Man müsste das auch auf andere Themen übertragen können, grübelt der Rezensent am Ende, ohne zu einem Urteil zu gelangen.
Guido Graf hätte sich etwas mehr Tiefe und Weite gewünscht in Didier Eribons Buch. Theorie kommt in den unfertigen Texten und Skizzen im Band kaum vor, warnt er, schon gar nicht im Plural. Stattdessen befasst sich der Autor mit einzelnen literarischen Werken von Proust und Gent vor allem. Wirklich neu scheint Graf die vom Autor verfolgte Vorstellung, das Literatur Fragen von Geschlecht und Sexualität verhandelt, auch nicht. Vor allem aber findet er Eribons Gender Reading materialmäßig allzu schmalbrüstig. Schade, findet der Rezensent, denn durch den Blick auf nicht nur männliche Homosexualität und große Schriftsteller wäre es ein Leichtes gewesen, die Perspektive zu weiten.
Im neuen Buch von Didier Eribon geht es nicht um Literaturtheorie, sondern um Theorien von Geschlechtlichkeit, denen der Autor in der Literatur nachgespürt hat, erklärt Rezensent Guido Graf. Der Kritiker empfindet die Schrift mehr als Sammlung von Skizzen denn als abgeschlossene Studie und fragt sich, ob Eribon mit seiner Analyse von Männern geschriebener Klassiker und seinem Fokus auf die Darstellung von männlicher Homosexualität nicht blinde Flecken für sich selbst erzeugt. Dennoch liest er das Buch beeindruckt als Theorie einer Literatur als Widerstand, in diesem Fall gegen die Vereinnahmung durch Geschlechternormen.
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