Dezsö Kosztolanyi

Lerche

Roman
Cover: Lerche
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783518224236
Gebunden, 218 Seiten, 14,80 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Heinrich Eisterer. "Lerche" spielt in wenigen Septembertagen des Jahres 1899 in einem ungarischen Provinznest namens Sarszeg. Lerche, eine junge Frau, die Vater und Mutter den Haushalt führt, wird zur Erholung aufs Land geschickt. Kaum ist sie fort, brechen die Eltern aus ihrem zurückgezogenen Leben aus: Sie essen im Restaurant, lassen sich zum Opernbesuch überreden. Der Vater, Archivar und Heraldiker, nimmt seine alte Leidenschaft, das Tarockspiel, wieder auf und kommt spätnachts betrunken nach Hause. Auch die Mutter leistet sich ihre kleinen Exzesse. Als der Zug, der Lerche zurückbringen soll, sich verspätet, werden die Eltern von maßloser Angst ergriffen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.03.2008

Freudig begrüßt Christoph Bartmann den Roman "Lerche" des ungarischen Schriftstellers Dezsö Kosztolanyi, der nun in gleich zwei Neuausgaben, der von Manesse und der von Suhrkamp, vorliegt. Keine leichte Wahl findet Bartmann, hat man sich doch zu entscheiden zwischen der Übersetzung von Christina Viragh und der von Heinrich Eisterer sowie dem Nachwort von Peter Esterhazy und dem von Ilma Rakusa. Nach sorgfältiger Überprüfung kommt er zu dem Urteil, beide Ausgaben seien gleich gut, auch wenn er ausführlicher über Esterhazys erhellendes Nachwort berichtet. Wichtiger als die Wahl der Ausgabe scheint ihm allerdings, das Buch einfach zu lesen. Schließlich kann der Roman über das langweilige Leben in der ungarischen Kleinstadt Sarszeg in seinen Augen mühelos mit den "Klassikern der europäischen Moderne" konkurrieren. Sein Fazit: ein "herrliches Buch, ein subtiles, satirisches Gesellschaftsporträt aus einer Zeit, in der es noch eine Gesellschaft gab und die Literatur das privilegierte Medium war, sie zu erfassen."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.02.2008

Ungeachtet seines unbestrittenen Rangs unter den Schriftstellern der Moderne wird das Werk Dezsö Kosztolanyis hierzulande bislang nicht angemessen gewürdigt, meint Andreas Breitenstein, der es deshalb als wahren Glücksfall bejubelt, dass der 1924 entstandene Roman "Lerche" nun sogar in zwei Neuübersetzungen vorliegt. Beide Übersetzungen haben laut Rezensent ihre Vorzüge, Heinrich Eiserer hat sich an einen nüchterneren Sprachduktus gehalten, während Christina Viragh das Poetische betont. Der Roman erzählt von der abgrundtief hässlichen Lerche, die mit ihren Eltern im ungarischen Kaff Sarszeg zusammenlebt und dort in Sparsamkeit, Einsamkeit und Langeweile ein strenges Regime führt, erklärt Breitenstein. Als Lerche für einige Tage wegfährt, beginnt für die Eltern ein kurzes, wildes Leben in Freiheit, bei ihrer Rückkehr aber versinkt die Familie wieder in alte Trostlosigkeit, so der Rezensent, der hier nicht nur eine traurige Familiengeschichte erzählt sieht, sondern es mit einem "Psychogramm" der ganzen Epoche um die Jahrhundertwende zu tun zu haben meint. Großartig beschreibt Kosztolanyi die Abgründe der Seele und der Gesellschaft, preist Breitenstein, der dessen Präzision des analytischen und dabei dennoch empathischen Blicks besonders schätzt.
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