Von Thomas Frank, Albrecht Koschorke, Susanne Lüdemann und Ethel Matala de Mazza. Unter Mitwirkung von Andreas Kraß. Ein Topos, seine Überlieferungen und seine Interpretationen als Ausgangspunkt für die Frage, wie politische Körperschaften hergestellt werden. Der Band gibt die Varianten des Topos vom nackten Kaiser, einen Bildteil, prominente Deutungen von Freud und Derrida und widmet sich im dritten Teil in Form einer Miniatur-Enzyklopädie Stichwörtern, die in den Texten wie Deutungen zentrale Rollen spielen ("Verschwendung", "Investitur", "Nackte Wahrheit", "Vertrag", "Bild und Stoff" . . .). Ein kulturwissenschaftliches Lesebuch ...
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.12.2002
Rezensent Ulrich Raulff macht auf ein unscheinbar wirkendes Taschenbuch aufmerksam, auf dessen Titelseite noch nicht einmal der Name des Autors verzeichnet ist, das er jedoch als "facettenreiches Büchlein von geradezu exemplarischer Intelligenz" bezeichnet. Literatutwissenschaftler und Leibniz-Förderpreisträger Albrecht Koschorke und seine Mitarbeiter aus einem Berliner Forschungsprojekt haben das bekannte Andersen-Märchen von "Des Kaisers neue Kleider" unter einem neuen Aspekt gelesen, der, nach einem das Märchen selbst, dessen wichtigste Quellen und Texte von Freud und Derrida enthaltenden ersten Teil in dem sich anschließenden Teil entwickelt wird. Raulff findet es "aufregend", wie hier "die Verkörperung und 'Bildwerdung' der Macht, ihre grandeurs et miseres in der Repräsentation durch nackte, sterbliche, hinfällige und unfähige Menschen" als ein Aspekt des Märchens herauskristallisiert wird. Andersens Märchen eröffne erhellende Perspektiven "auf die Geschichte jener politischen Fiktionen, über denen sich der abendländische Begriff der Souveränität begründet hat", führt er aus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.08.2002
"Geht es vielleicht ein bisschen konkreter?", möchte man Tillmann Bendikowski fragen, der zu diesem Sammelband eine abschreckend akademische Kritik verfasst hat. So viel wird grad klar: Er ist begeistert von diesem lesenswerten kulturwissenschaftlichen Versuch über das Imaginäre politischer Herrschaft. Wie wir vom Rezensenten erfahren, knüpfen die Autoren darin an Andersens Märchen an, da es für sie den Blick auf den "leeren Grund politischer Herrschaft" freigebe. Autorität sei auf Fiktionen aungewiesen, der politische Körper des Herrschers werde allein im Imaginären seiner Untertanen gegenwärtig, fasst Bendikowski eine der vertretenen Thesen zusammen. Nach einer anderen erkennen die Untertanen im Herrscher, kraft Aura seines Amtes, nicht allein eine imposante Einzelperson, "sondern sich selbst in ihrer Formation als Kollektiv". Bendikowski räumt ein, dass die Autoren in erster Linie Annäherungen und wenig konkrete Antworten liefern. Er findet das "verzeihlich", der Leser seine Kritik nicht.
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