Aus dem Englischen von Heike Schlatterer. Ein unmöglicher Mord. Ein wohlhabender Pakistaner wurde getötet. Am Tatort die Fingerabdrücke des Straftäters Michael Brown. Doch der sitzt im Gefängnis. Alex Morrow beginnt zu ermitteln und arbeitet sich durch einen Sumpf aus internationaler Korruption, macht die Bekanntschaft von hochrangigen Beamten in Polizei und Staat, die skrupellos bestechen, Beweise fälschen und auch vor Mord nicht zurückschrecken.
Denise Mina schreibt sehr geradlinig, zeichnet ihre Charaktere jedoch sehr genau und klug, und hat vor allem ein gutes Auge für die verschiedenen sozialen Milieus von Glasgow, deren Verrohung und Korrumpierung sie präzise und in den feinen Nuancen von Dunkelgrau nachzeichnet. Thekla Dannenberg in Mord und Ratschlag
Denise Mina glänzt in ihrem mittlerweile elften Krimi, "Das Vergessen", mit einer wunderbar uneindeutigen Schuldverteilung unter ihren Figuren, was allgemein ein guter Maßstab für die Qualität von Kriminalliteratur sei, erklärt Tobias Gohlis. Gleichzeitig entwirft Mina allerdings auch das "Sittenbild einer korrupten Rechtspflege" und kritisiert damit die Polizeireformen, die Ende der Neunziger in Glasgow der Korruption in die Hände spielten, so der Rezensent. Ihre Ermittlerin Alex Morrow bleibt mit ihrem gesteigerten Gerechtigkeitsempfinden in dieser Sumpflandschaft zwischen Justiz, Polizei und Politik dann auch gehörig stecken, verrät Gohlis.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.12.2014
Rezensentin Sylvia Staude freut sich, dass mit "Das Vergessen" ein neuer Kriminalroman Denise Minas auf Deutsch vorliegt. Gespannt folgt sie dem Schicksal der vierzehnjährigen Rose, die als Prostituierte ihren Zuhälter und einen weiteren Mann ersticht und einem ambitionierten Anwalt nicht nur eine milde Strafe, sondern auch den Job als Kindermädchen seiner Enkel zu verdanken hat, um Jahre später doch eine Gangsterkarriere zu durchlaufen. Begeistert liest die Kritikerin, wie es Mina nicht nur gelingt, ihre Genre-Figuren ganz ohne Klischees und Kategoriendenken zu porträtieren, sondern wie sie auch einmal mehr nur zu gern verdrängte soziale Missstände ans Tageslicht bringt. Darüber hinaus lobt die Staude die ebenso "schillernden" wie lebensechten Figuren.
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