Aus dem Englischen von Michael Adrian und Bettina Engels. Sind wir auf dem Weg in eine Gesellschaft, in der alles käuflich ist? In demokratischen Gesellschaften sind Märkte die beherrschende Form gesellschaftlicher Organisation. Idealerweise sollen sie sich durch höchstmögliche Effizienz bei gleichzeitig größtmöglicher Verteilungsgerechtigkeit auszeichnen, aber auch individuelle Freiheit garantieren. Wenn Organhandel, Sexarbeit, Kinderarbeit, Handel mit Wählerstimmen, Waffen oder mit weiblichen Reproduktionskräften, um nur einige Beispiele zu nennen, den Bedingungen der kapitalistischen Verwertungsgesetzmäßigkeit unterworfen werden - was längst der Fall ist -, hat das Auswirkungen auf die Bedingungen und Wertvorstellungen einer demokratischen Gesellschaft.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.11.2013
Dass es der Autorin in ihrer Marktkritik weder darum geht, dem Liberalismus das Wort zu reden, noch einem rigiden Moralismus, rechnet Robin Celikates der Philosophin Debra Satz hoch an. Um wohlfeile Antworten geht es also nicht, wenn Satz auf anpruchsvolle wie lesbare Weise, so der Rezesent, nach normativen Bewertungsmöglichkeiten von Märkten sucht. Und sie findet. Soziale Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse etwa. Ihr differenzierendes Vorgehen ist Celikates zufolge der eigentliche Verdienst der Autorin. Mit Smith und Marx kann sie dem Rezensenten soziale Kontexte und vor allem die Verschiedenheit von Märkten aufzeigen. So gesehen erscheinen Celikates sogar Kinderarbeit und Prostitution in einem anderen Licht. Der für den Rezensenten klar am demokratischen Ideal ausgerichtete Ansatz lässt allerdings Flüchtlinge ohne Aufenthaltstatus und ebenso die Natur außen vor. Für Celikates wiederum der Beweis, wie wenig neutral und miteinander vergleichbar Märkte tatsächlich sind.
Christiane Müller-Lobeck schätzt Debra Satz' Auseinandersetzung mit den Marktgesetzlichkeiten und ihren Auswirkungen auf die gesellschaftliche Kultur . Im Mittelpunkt des Buchs sieht sie die Frage nach den Bedingungen, unter denen die Bürger eines Staates als Gleiche interagieren können. Die Autorin erweist sich für sie als Liberale, die gleichwohl für die Reglementierung der Märkte plädiert. Die Kriterien, die die Autorin hierfür ins Spiel bringt, scheinen ihr überzeugend: Bildungs- und Informationsdefizite einerseits, große Armut andererseits. Diese Kriterien diskutiere Satz an den Beispielen Leihmutterschaft, weibliche Sexarbeit, Kinderarbeit, Schuldknechtschaft und Organhandel. Müller-Lobeck attestiert der Autorin profunde Kenntnisse der jeweiligen Debatten. Sie lobt ihre Argumentation als ausgewogen - besonders, wo es um die Frage nach einem Prostitutionsverbot geht. Das Fazit der Rezensentin: lesenswert, gerade im Blick auf gegenwärtige Debatte zu diesem Thema.
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