Klappentext

Aus dem Englischen von Niels Kadritzke. Neoliberalismus ist eine Doktrin. Sie besagt, dass der Markt an sich eine Ethik darstellt und in der Lage ist, alles menschliche Tun und Trachten in die richtigen Bahnen zu lenken. Seit rund dreißig Jahren ist der Neoliberalismus aber auch politische Praxis, und viel ist darüber schon publiziert worden. Harvey rekapituliert die Geschichte des Neoliberalismus, wobei nicht nur die allgemein bekannten "Pioniere" Thatcher und Reagan zu Ehren kommen, sondern auch das neoliberale "Modellland" Chile (unter Diktator Pinochet) oder das China des Deng Xiaoping.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.10.2007

Recht instruktiv erscheint Rezensent Matthias Becker die globale Geschichte des Neoliberalismus, die David Harvey vorgelegt hat. Der Autor, von Hause aus Geograf, macht ihm deutlich, dass es bei dieser Politik von Anfang an und in erster Linie nicht darum ging, Reichtum zu schaffen, sondern ihn vielmehr umzuverteilen. Aufschlussreich findet er Harveys "dynamische Karte der Neoliberalisierung". Besonders lobt er das Kapitel über China seit den Reformen Deng Xiaopings ab 1978. Becker unterstreicht Harveys Kritik an einem Verständnis der Freiheit als Freiheit des Marktes, die eigentlich nur Profitmaximierung durch Umverteilung, Privatisierung und Transfer von Reichtum über die Finanzmärkte bedeutet. Demgegenüber plädiere der Autor für eine soziale "Freiheit von Not und Angst".