Jeder hört Musik, doch kaum einer weiß wirklich, wie sie zum "Produkt" gemacht wird. Dieses Buch ist eine instruktive Einführung in fast alle Facetten des Geschäfts mit der Musik. Es wird erklärt, wie das Tourneegeschäft, die Plattenfirmen, das Copyright, Sponsoring oder die Gema funktionieren, und der Autor diskutiert die aktuellen Geschäftsmodelle und befasst sich mit der Rolle der Künstler und Kulturarbeiter, aber auch mit ihrer miserablen sozialen Situation. Doch dieses Buch ist auch eine Streitschrift für eine andere Kultur. Fast alle Bereiche des Musikgeschäfts werden heute von Großkonzernen dominiert - die Vielfalt der Kultur ist längst in Gefahr. Gleichzeitig erleben wir den Quotenterror - es zählt nur noch, was sich "verkauft".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.01.2014
Wer sich um das Überleben von Musikern sorgt und deshalb das Online-Streaming verdammt, hat sich den falschen Feind herausgepickt, lernt Hanspeter Künzler in Berthold Seligers Buch über "Das Geschäft mit der Musik". Das wirkliche Problem sind die wenigen großen Konzerne, die sich seit der Liberalisierung der Medienpolitik den Markt teilen und Künstlern und Fans gleichermaßen ans Geld wollen, vor allem die Live-Industrie scheint sich als äußerst lukrativ erwiesen zu haben, erklärt der Rezensent, längst wird mit Konzerten mehr Profit umgesetzt als mit Platten. Stellenweise wirken Passagen ein wenig polemisch, aber Seligers rechtschaffener Zorn schadet dem Gehalt des Buches nicht im geringsten, findet Künzler.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.11.2013
Berthold Seliger macht ernst und schließt seine Konzertagentur, weiß Oliver Jungen, den dieser Schritt allerdings nicht sonderlich wundert bei der Wut im Bauch auf Agentur-Monopolisten und Sponsoring-Overkill in der Popmusik, dem der Autor in seinem Buch Luft macht. Keine weitere Pop-Theorie-Abhandlung also, sondern detailreiche Attacken auf Gema, CTS Eventim und andere Ticketseller und Konzertveranstalter. Das geht Jungen mitunter zu sehr in die Feinheiten, wirkt aber doch desillusionierend genug auf ihn, dass er den durch Fantasiegebühren exorbitant erhöhten Preis für ein Konzertticket beim nächsten Mal wohl nicht mehr so ohne weiteres hinblättert. Ob man deswegen mit dem Autor den gesamten Musikjournalismus zur PR-Aktion degradieren muss, möchte Jungen allerdings bezweifeln. Seligers Dissidenzforderungen (Eigenvertrieb!) findet er leider auch nicht so originell.
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