Deborah Levy

Heim schwimmen

Roman
Cover: Heim schwimmen
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783803132475
Gebunden, 168 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Richard Barth. Es ist heiß. Sehr heiß. Sie sind aus London gekommen, um in einem Haus bei Nizza Ferien zu machen: Das Ehepaar Jozef und Isabel Jacobs, er Schriftsteller, sie Kriegsberichterstatterin; die beiden teilen schon lange nichts mehr, außer der Zeit, die sie miteinander verbracht haben. Ihre vierzehnjährige Tochter Nina, die wenig von ihren Eltern hält, aber umso mehr in pubertäre Gefühlsschwankungen verstrickt ist. Schließlich ein befreundetes Ehepaar, dessen Laden gerade pleitegeht. Beste Voraussetzungen für geruhsame Ferien.
Tatsächlich bricht schon bald das Unheil herein. Ein nackter Frauenkörper treibt im Schwimmbad. Aber diese junge Frau namens Kitty Finch ist nicht tot. Schwankend zwischen verletzlich und exaltiert, nistet sich die selbsternannte Botanikerin mit den grüngelackten Nägeln in der Villa ein und mischt die ohnehin komplizierte Lage auf. Und sie wünscht sich nichts mehr, als dass der Dichter sich mit ihr und ihrem Gedicht "Heim schwimmen" beschäftigt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.01.2014

Südfranzösische Pools haben den eigentümlichen "literarischen Standortvorteil", dass sie sofort Erinnerungen an diverse Film-Pools abrufen, wo unsympathische Charaktere gelangweilt planschen und gelegentlich sterben, meint Jutta Person. Deborah Levy bedient sich in ihrem Roman "Heim schwimmen" ausgiebig dieser Atmosphäre, verrät die Rezensentin. Da ist die disfunktionale Ehe zwischen dem erfolgreichen Nachkriegsdichter Joe Jacobs und seiner Frau Isabel, einer Reporterin, die sich vor ihrer verkorksten Beziehung in diverse Krisengebiete flüchtet, erklärt Person, da ist die pubertierende Tochter, die unter dem Ehekrach leidet, und schließlich ist da - Kitty Finch. Kitty Finch ist ein junges Mädchen, das es auf den Dichter abgesehen hat, und leider ist sie ein Versatzstück sämtlicher "Klischees von kaputter Empfindsamkeit und genialem Psychotikertum", die es so gibt, bedauert die Rezensentin, die mit Levys Buch vor allem deswegen nicht viel anfangen konnte.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.05.2013

Angela Schader resümiert den Plot dieses, wie sie schreibt, "quecksilbrigen" Romans von Deborah Levy, und das ist keine leichte Sache. Ein Haufen Personal tummelt sich da am Pool der südfranzösischen Villa, Personal, das laut Schader vor allem eines auszeichnet: Zweideutigkeit. Es geht um Schein und Sein in diesem Buch, um rätselhafte Leichen im Pool und ebenso rätselhafte Gäste in der Villa. So dicht die Konstellation, so mannigfach auch die Ängste und Sehnsüchte, der Figuren, die die Autorin für Schader ans Licht holt. Unterhaltsam, findet die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2013

Rezensent Jan Wiele hat Deborah Levys neuen Roman "Heim schwimmen" geradezu verschlungen. Gebannt liest er hier die Geschichte der psychisch kranken Kitty, die sich im Sommer des Jahres 1994 in Nizza in die Sommerresidenz des britischen Schriftstellers Joe H. Jacobs und seiner Familie einschleicht und für zahlreiche Konflikte in der vermeintlichen Idylle sorgt: Die laszive junge Frau weckt nicht nur bald das sexuelle Interesse des Autors, sondern ruft auch verdrängte Kindheitserinnerungen in ihm wach - der in Polen geborene Jude überlebte die Deportation durch die Nazis nur, weil sein Vater ihn als Fünfjährigen mit der Forderung, nie zurückzukehren, in den Wald schickte, berichtet der Kritiker. Ganz hingerissen ist Wiele von der Kunst Levys, die kurzen Kapitel wie in sich "abgeschlossene Filmszenen" aufzubauen und dabei derart lakonisch, schonungslos und zugleich witzig zu erzählen, dass er diesen Roman gar nicht mehr aus den Händen legen möchte.
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