Davide Giuriato
Die Fliege
Versuch über ein politisches Tier

Diaphanes Verlag, Zürich 2026
ISBN 9783035808377
Gebunden, 300 Seiten, 20,00 EUR
ISBN 9783035808377
Gebunden, 300 Seiten, 20,00 EUR
Klappentext
Eine einzige Fliege, so hat Leibniz einmal gesagt, kann den ganzen Staat verändern. Den überraschenden Wegen dieses eigensinnigen Insekts folgend, rekonstruiert Davide Giuriato eine noch ungeschriebene Geschichte von den Anfängen unserer Kultur bis zur Gegenwart, von antiken Imaginarien der Macht bis zur politischen Ökologie unserer Tage. Wo immer die Fliege in den Wissenschaften, in Kunst und Literatur, in Philosophie und Geschichte die Aufmerksamkeit auf sich zieht, steht die Faszination für ein Insekt im Vordergrund, das anders als die Biene oder die Ameise weder Staat noch Familie kennt und gängige Ordnungsmuster unterläuft. Denn in Wahrheit ist die kulturelle Semantik der Fliege ungleich reichhaltiger, flexibler und komplexer - sie erscheint so anarchisch wie ihre Flugbahnen, die kontingent, regellos und unkontrollierbar wirken. Gerade in dieser Unruhe liegt indes ihr revolutionäres Potenzial, das es in der Vielfalt seiner Möglichkeiten noch zu entdecken gilt.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.10.2026
Rezensent Manfred Schneider erhält anspruchsvolle Einsichten in Davide Giuriatos klugem Sachbuch über die Fliege. Kulturwissenschaftlich beschlagen und mit viel Sinn für die kleinen Dinge widmet sich der Autor laut Schneider diesem nutzlosen und eher lästigen Insekt und legt ihre politische Bedeutung frei. Der Fliegendämon nämlich umsummt Politiker in Interviews und kündet von deren Gedeih oder Verderb, lernt Schneider. Elegant zaubert der Autor eine Theorie der Macht aus allerhand Fliegengeschichten um König Nimrod, Kaiser Titus oder Mike Pence, staunt der Kritiker. Und bei Homer wird die Fliege sogar geadelt! Giuriatos "farbiger Parcours" erörtert auch die Biopolitik der Fliege und steigt hinab in die "Abgründe der Genechnik", erklärt Schneider.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 03.09.2026
Mit schlechten Image der Fliegen räumt Davide Giuriato in seinem Buch gründlich auf, versichert Rezensent Michael Opitz. Der Autor betrachtet den Umgang von herrschenden mit den kleinen Insekten als durchaus aussagekräftig für deren sonstigen Regierungsstil. Da wäre zum Beispiel der Kaiser Domitian, berühmt dafür, stundenlang Fliegen zu jagen und aufzuspießen, und gleichzeitig ein sadistischer Menschenfolterer, wie wir lesen. So wird bei Giuriato die Fliege zum "Medium, um politische Kritik" zu üben, erklärt der Kritiker. Das ist durchaus "erhellend" und gut argumentiert, findet er. Außerdem erscheint hier die Fliege viel weniger als Nervensäge, sondern als unbeherrschbarer Einzelgänger, damit Revolutionären ähnlich, der bei den Mächtigen durch die Epochen hinweg für Ärger sorgte. Dank den literarischen und philosophischen Erkenntnissen des Autors eine durchaus bereichernde Lektüre für den Kritiker.
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