Herausgegeben von Helmar Schrammgemeinsam mit Hans-Christian von Herrmann,Florian Nelle, Wolfgang Schäffner, Henning Schmidgen und Bernhard Siegert. Veröffentlichung der Universitäts-Ringvorlesung der Freien Universität Berlin Wintersemester 2000/2001. Die Frage nach dem Verhältnis von Wissenschaft und Kunst stellt einen zentralen Problemkomplex dar, in dem sich die unterschiedlichsten Versuche einer kulturwissenschaftlichen Neuorientierung traditioneller Disziplinen der Geisteswissenschaften treffen. Ein Grund dafür dürfte der weitverbreitete Eindruck sein, dass die aus dem späten 18. Jahrhundert übernommene Trennung dieser beiden Bereiche die gegenwärtige Kultur nicht mehr angemessen repräsentiert. Hier möchte dieser Band zeigen, wie gerade die Interferenzen von Wissenschaft und Kunst Kultur wesentlich geprägt haben.
Ob nun die umstrittenen Leichen-Fotos der Söhne Saddam Husseins, Udai und Kusai, oder der berühmte Cum-Shot im Porno - den herrschenden "Beglaubigungsdruck" findet Rezensent Jan Engelmann einfach "unglaublich". Seine diesbezüglichen Überlegungen führen ihn zu der Frage, warum der Akt des Sehens unsere bevorzugte Sinnesleistung ist. Eine Frage, auf die Sybille Krämer in dem von Helmar Schramm herausgegebene Sammelband über "Interferenzen zwischen Wissenschaft und Kunst" eine Antwort zu geben sucht. Demnach ist das "dem Sehsinn per se zugesprochene Vermögen zur Objektivierung auch das Ergebnis kulturhistorisch kontingenter Praktiken im Umgang mit dem Visuellen", zitiert Engelmann die Autorin. Wie er ausführt, sucht Krämer den Prozess zu zeigen, in dem das im Sehsinn angelegte Täuschungspotenzial schleichend zugunsten einer künstlerischen Rationalisierung der Visualität beziehungsweise einer wissenschaftlichen Visualisierung der Ratio dispensiert worden sei. Neben Krämers Betrag hebt Engelmann einen posthumen Text Dietmar Kamper hervor, der darauf aufmerksam macht, wie das Nichtwissen gerne mit Traum, Fantasie und Einbildungskraft zusammenarbeitet.
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