Diese Einführung gibt einen Überblick über die "materielle Füllung" der kulturwissenschaftlich ausgerichteten Fragestellungen in der Germanistik, und zwar aus der Perspektive der Älteren und der Neueren deutschen Literaturwissenschaft, wodurch nicht zuletzt der Dialog zwischen beiden Teilfächern vertieft wird. Die sieben Kapitel des Bandes spieglen die zurzeit wichtigsten Tendenzen der Forschung wider: 1) Historische Anthropologie, 2) Ordnungen des Wissens, 3) Medien- und Kommunikationstheorie, 4) New Philology/Textkritik, 5) Performativität, 6) Gender-Theorie und 7) Alterität und Interkulturalität. In jedem der 14 Beiträge werden die wissenschaftshistorischen Voraussetzungen der methodischen Ansätze, ihre theoretische Einbettung und die wichtigsten Arbeitsfelder vorgestellt sowie an einem Beispiel veranschaulicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.07.2002
Gutes, gründliches Buch, schreibt Heinrich Detering. Besonders rühmenswert erscheint dem Rezensenten an diesen 14 Beiträgen "zumeist jüngerer Literaturwissenschaftler" das Unterfangen, an die Frühgeschichte des Fachs anzuknüpfen und in der kulturwissenschaftlichen Perspektive den Graben zwischen Mediävistik und Neugermanistik zu überbrücken. Dazu dient im Band das Schema des Doppelkapitels, mittels dessen dem Leser "zweistimmig" Textkritik, "New Philology", "Gender"-Konzepte u.a. vorgestellt werden. Herausgekommen, so Detering, ist dabei keine Sammlung einzelner Aufsätze, sondern ein kohärentes Gemeinschaftswerk, "vom Bemühen um ein gemeinsames Vokabular bis zur Konzentration auf Textbeispiele, die alle mit "Brief und Botschaft" zu tun haben". Mit dem Gang von den Kontexten auf die Texte, findet Detering, entgehen die Beiträge zugleich der Gefahr einer Selbstüberforderung der Literaturwissenschaft; sie bieten eine "umfangreich kontextualisierende Lektüre von Texten als Produkten und Akteuren komplexer kultureller Praktiken". Zu den größten Vorzügen zählt der Rezensent schließlich den Umstand, "dass sich über jedes der sieben Doppelkapitel kontrovers und mit Gewinn diskutieren ließe". Den gelegentlichen Rückfall in den "bürokratischen Verlautbarungsstil" einer jargonverliebten Germanistik kann Detering da verzeihen.
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