David Ranan

Muslimischer Antisemitismus

Eine Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden in Deutschland?
Cover: Muslimischer Antisemitismus
Dietz Verlag, Bonn 2018
ISBN 9783801205249
Kartoniert, 224 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Unbestritten sind anti-jüdische Einstellungen unter Muslimen weit verbreitet. Aber warum? Die gängigen Definitionen und Erkenntnismuster, erklärt David Ranan, reichen nicht mehr aus, um den Antisemitismus vieler Muslime zu beschreiben. Hat das Ganze nur mit dem Nahostkonflikt zu tun oder sind Muslime grundsätzlich antisemitisch? Ist Judenhass ein integraler Teil des Islam? Oder ist er eine Erscheinungsform des Islamismus? Um eine Antwort zu finden, hat Ranan mehr als 70 Interviews mit jungen muslimischen Studierenden und Akademikern vor allem in Deutschland geführt. Im Zentrum standen ihre Haltungen und Gefühle zu Juden, Judentum, dem Holocaust und Israel und schließlich die Frage, wie sie sich zu Deutschland stellen, seiner Israelpolitik und seiner Geschichtskultur. Mit den Ergebnissen der Gespräche, die er in die historischen Beziehungen zwischen Juden und Muslimen und den ungelösten Nahostkonflikt einbettet, zeigt Ranan, dass dieses brisante, heftig umkämpfte Feld neu angegangen werden muss.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.04.2018

Rezensent Martin Eimermacher ist schockiert über die gesammelten Interviewaussagen in David Ranans Buch. Was der israelische Politikwissenschaftler an Meinungen von in Deutschland lebenden Muslimen über das Judentum zusammenträgt, meint er, liest sich als Kompendium antisemitischer Weltdeutung, die sich vom "deutschen Original" kaum unterscheidet. Als Gegenrede zu CSU-Meinungen, die Judenhass selektiv verurteilen, taugt das Buch laut Rezensent aber nur bedingt. Schließlich bewertet der Autor den Antisemitismus ebenso nach ethnisch-kulturellen Kriterien, meint Eimermacher, bloß eben unter umgekehrten Vorzeichen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.2018

So hochaktuell wie wichtig erscheint Rezensent Rainer Hermann dieses Buch von David Ranan, in dem der in Berlin lebende israelische Politikwissenschaftler dem muslimischen Antisemitismus auf den Grund geht. Anstoß nehmend an verschiedenen Umfragen zum Antisemitismus, denen Ranan vorwirft, antimuslimisch geprägte, manipulative Fragen zu stellen, unterscheide der Autor zunächst einmal zwischen ihre Religion ausübenden Juden, Zionisten und Israelis, erklärt der Kritiker, der Ranans mit siebzig jungen Muslimen in Deutschland und Großbritannien geführten Interviews erstaunliche Erkenntnisse verdankt: Auf judenfeindliche Passagen im Koran verwies demnach keiner der Gesprächspartner, vielmehr sei der Konflikt zwischen Israel und Palästina Hauptmotiv antijüdischer beziehungsweise antiisraelischer Äußerungen, erfährt Hermann. Während Ranan den abendländischen Judenhass für tiefsitzender halte, verschweige er nicht die Gefahren, die vom Antisemitismus des radikalen politischen Islams ausgehen - eine Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden in Deutschland sei dieser allerdings nicht, liest der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.04.2018

Ludger Heid erkennt den Sprengstoff beim Thema muslimischer Antisemitismus, wenn der Kultur- und Politikwissenschaftler David Ranan, selbst in Israel aufgewachsener Jude, über siebzig in Deutschland lebende Muslime dazu befragt. Herauskommt laut Heid ein Repertoire von Stereotypen, Vorurteilen und Verschwörungstheorien, das für den Autor direkte, teils persönliche Bezüge zum Territorialkonflikt erkennen lässt. Eine Bedrohung des gesellschaftlichen Friedens leitet der Autor daraus aber nicht ab, erklärt der Rezensent.

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