Richterliche Rechtsfindung ist fehleranfällig. Was unspektakulär klingt, belegen neuere empirische Daten eindrucksvoll. Durch Rationalitätsschwächen kann es zu Verzerrungen und jedenfalls dazu kommen, dass sachfremde Aspekte einfließen. Können Algorithmen und "Künstliche Intelligenz" dazu beitragen, dass gerichtliche Entscheidungen "rationaler" werden? Überlegungen zur Automatisierung im Recht sind nicht neu, müssen aber aufgrund neuer technischer Möglichkeiten und Erkenntnisse zur Entscheidungsfindung neu gedacht werden. Eine vollständige Automatisierung scheidet allerdings aus. Einzelfallgerechtigkeit zu gewährleisten, ist in vollautomatisierten Verfahren nicht möglich. Neben technischen sind es zuvorderst verfassungsrechtliche Hürden, die einem solchen Vorhaben Grenzen setzten. Ein Verbot algorithmenbasierter Unterstützungssysteme ist dem Grundgesetz indes nicht zu entnehmen. Sofern es gelingt, den Systemen rechtsstaatliche Funktionsweisen einzuhauchen, können neue Technologien die richterliche Rechtsfindung sinnvoll unterstützen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.03.2021
Rezensent Jochen Zenthöfer begrüßt David Ninks Überlegungen zum Thema Justiz und Algorithmen. Als Überblick verstanden, erörtert der Band dem Rezensenten zufolge heikle Fragen, wie die, ob Maschinen über das Strafmaß entscheiden sollten. Außerdem plädiert der Autor für Datenbanken, die alle Gerichtsentscheidungen versammeln. Diesem Vorschlag kann Zenthöfer nur zustimmen. Dass Empathie im Rechtssystem ein wichtiges Argument contra die Durchalgorithmisierung der Justiz ist, wie der Autor anführt, findet der Rezensent auch.
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