David Graeber

Die falsche Münze unserer Träume

Wert, Tausch und menschliches Handeln
Cover: Die falsche Münze unserer Träume
Diaphanes Verlag, Zürich 2012
ISBN 9783037342428
Kartoniert, 447 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Michaela Grabinger, Sven Koch, Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck. In diesem politischen Traktat verbindet David Graeber Theorie und soziales Engagement, Politik und Ethnologie auf neuartige Weise. Aus einer ethnologischen Perspektive heraus erfährt der Begriff "Wert" eine grundlegende Definition, die ihn zum Zentrum eines Modells menschlichen Handelns macht und es ermöglicht, eine Alternative zur "Philosophie" des Neoliberalismus aufzuzeigen.Graeber versucht nicht weniger als das Kernproblem der gegenwärtigen Sozialtheorien zu lösen, die durch den augenblicklichen ideologischen Zusammenbruch im Angesicht des Neoliberalismus fragwürdig geworden sind. Mit zwei so unterschiedlichen Theoretikern wie Karl Marx und Marcel Mauss zeigt er, dass Projekte des Kulturvergleichs notwendig revolutionäre Vorhaben sind.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.10.2012

Nicht wirklich erwärmen kann sich Rudolf Walther für David Graebers im Original bereits 2001 erschienene Werk "Die falsche Münze unserer Träume". So hält er dem Autor vor, außer einer Kritik der Postmoderne und Erläuterungen über die Sitten und Bräuche von indigenen Völkern keinen seiner bisweilen geradezu "hochstaplerisch vorgetragenen" Ansprüche einzulösen. Graebers Anliegen, zu zeigen, dass Menschen den Lauf der Geschichte beeinflussen können, sowie seine Idee einer humanistischen Sozialwissenschaft scheinen Walther zwar sehr sympathisch, aber in vielen Punkten zu "grob" gedacht. In seinen Augen unterschätzt der Autor die Untiefen und Schwierigkeiten der Werttheorie und vereinfacht komplexe Zusammenhänge. Eine wirklich bedeutende Theorie jedenfalls hat Graeber nach Ansicht des Rezensenten in diesem Werk nicht formuliert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2012

Keine Frage, David Graeber hat Konjunktur. Wenn nun der akademische Erstling des Ethnologen und Occupy-Mitbegründers aus dem Jahr 2001 auf Deutsch erscheint, ist Rezensent Michael Adrian gespannt. Und wird nicht enttäuscht. Als Parforceritt durch die Ethnologie bezeichnet Adrian den Band, mit dem der Autor seiner Meinung nach einen Paradigmenwechsel herbeischreiben möchte, einen anderen Wertbegriff. Welcher Art der sein könnte, verraten Adrian schon Graebers Hausheilige Marx und Marcel Mauss. Der Orientierungswechsel zielt auf eine Ökonomiekritik, die vor Entfremdung und Ungerechtigkeit schützen will, indem sie eine sozial geerdete Werttheorie entwickelt. Adrian erkennt darin noch mehr: den Versuch nämlich, progressives Denken wieder praktikabel zu machen. Graebers Erfolg ist also zu begrüßen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.10.2012

Thomas Macho begrüßt die deutsche Übersetzung des ersten, im Original 2001 erschienenen Buchs von David Graeber, der hierzulande durch sein Werk "Schulden: Die ersten 5000 Jahre" größere Bekanntheit erlangt hat. In "Die falsche Münze unserer Träume" liefert der amerikanische Ethnologe seines Erachtens einen interessanten Beitrag zu einer ethnologisch fundierten Gesellschaftstheorie. Die Intention des Autors sieht er in einer Kritik postmoderner Theoriebildung und insbesondere der Auffassung, Prozesse wie die Globalisierung seien nicht aufzuhalten. Demgegenüber wolle Graeber zeigen, dass soziale Bewegungen in der Lage seien, den Lauf der Geschichte zu beeinflussen. Macho hebt dabei die handlungstheoretische Werttheorie und die ethnologisch angelegte Theorie sozialer Kreativität hervor, die der Autor auf Grundlage von klassischen Fallbeispielen zur Ökonomie des Schenkens sowie eigener Feldforschungen auf Madagaskar entwickelt.