David Graeber

Bürokratie

Die Utopie der Regeln
Cover: Bürokratie
Klett-Cotta Verlag, Suttgart 2016
ISBN 9783608947526
Gebunden, 329 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Hans Freundl und Henning Dedekind. Der Anthropologe David Graeber entfaltet eine Fundamentalkritik der globalen Bürokratie! Er erforscht die Ursprünge unserer Sehnsucht nach Regularien und entlarvt ihre Bedeutung als Mittel zur Ausübung von Gewalt.
Wir alle hassen Bürokraten. Wir können es nicht fassen, dass wir einen Großteil unserer Lebenszeit damit verbringen müssen, Formulare auszufüllen. Doch zugleich nährt der Glaube an die Bürokratie unsere Hoffnung auf Effizienz, Transparenz und Gerechtigkeit. Gerade im digitalen Zeitalter wächst die Sehnsucht nach Ordnung und im gleichen Maße nimmt die Macht der Bürokratien über jeden Einzelnen von uns zu. Dabei machen sie unsere Gesellschaften keineswegs transparent und effizient, sondern dienen mittlerweile elitären Gruppeninteressen. Denn Kapitalismus und Bürokratie sind einen verhängnisvollen Pakt eingegangen und könnten die Welt in den Abgrund reißen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.03.2016

David Graeber ist ein Anarchist und als solcher glaubt er, dass weniger staatliche Strukturen im Zweifelsfall zu einer gerechteren Gesellschaft führt, erklärt Rezensentin Lisa Herzog. Es wundert sie also wenig, dass Graeber in seinem Buch "Bürokratie" eben diese zur Zielscheibe seiner Kritik macht. Interessant ist sein Buch vor allem, weil er die Bürokratie nicht nur kritisiert, sondern auch den gefährlichen Reiz herausarbeitet, den die Fantasie der perfekten Mess- und Organisierbarkeit hat, so die Rezensentin. Für Herzog geraten dabei allerdings Machtmechanismen zu kurz, die nicht auf bürokratische Institutionalisierung angewiesen sind. Sie würde lieber in und mit der Bürokratie dieser ein menschliches Antlitz geben, als das Kind mit dem Bade auszuschütten und sie ganz abzuschaffen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.03.2016

Nicht viel mehr als Stammtischmeinungen findet Rudolf Walther in diesem seiner Meinung nach nur notdürftig zusammengehaltenen Buch von David Graeber. Von dem gestandenen Anthropologen und erklärten Anarchisten hätte er sich allerdings mehr erwartet als eine Sammlung von Klischees und Kuriositäten über das, was Ottonormalverbraucher Bürokratie schimpft. Historische oder soziologische Erkundungen zum Thema etwa, Argumente und Fakten oder wenigstens eine exakte Begriffbestimmung. Fehlanzeige. Stattdessen liefert ihm der Autor großspurige Schmähungen der globalisierten Bürokratisierung und anthropologische Gemeinplätze.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.02.2016

Christian Schlüter vertraut sich dem Anarchismus des Ethnologen David Graeber gerne an. Gefasst auf starke Thesen, eine charmante Form, anschauliche Beispiele und ein Stück Optimismus im Hinblick auf ein besseres Leben, steigt beim Rezensenten die Spannung: Wie stellt sich der Autor dergleichen vor, jenseits der Bürokratie. Schlüter wird nicht enttäuscht. Auch wenn der Autor recht melancholisch wird, wie der Rezensent feststellt, vermittelt er ihm glaubhaft die Hoffnung auf Momente spielerischer Freiheit im bürokratischen Einerlei. Am spannendsten wird es für Schlüter allerdings, wenn Graeber die Bürokratie als Erfüllungsgehilfe eines Neoliberalismus entlarvt, der, Überraschung für Schlüter, nicht keine Regeln favorisiert, sondern bloß andere, ihm gemäßere.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.02.2016

Wenn der Neoliberalismus eines nicht war, dann ein Liberalismus - das ist eine der überraschenden Neuigkeiten, die man aus Jens Biskys Parforceritt durch dieses Buch mitnimmt. Laut Graeber ist der Neoliberalismus nämlich gerade ein Bündnis zwischen Staat und Markt, der zu Bürokratismus, üppigen Regelwerken und polizeistaatlichen Methoden geführt habe, referiert Bisky. Technologie wurde dabei nicht entwickelt, um alternative Zukunftswelten zu gestalten, sondern um soziale Konrolle zu fördern. "Statt den Kapitalismus zu einem langfristig funktionsfähigen Modell zu machen", so Rezensent Bisky, "wurde dafür gesorgt, dass er als einzig mögliche Wirtschaftsform erscheint." Die offenbar etwas mäandernde und assoziationsreiche Argumentation Graebers findet Jens Bisky im Blick auf den knochentrockenen und akademisierten linken Diskurs in Deutschland erfrischend.

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