Aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungardt. Wer war Peter? Was ist Größe? Diese Fragen treiben fünf Petersburger Intellektuelle um, die selbst nicht mehr wissen, wer sie sind und was sie sollen nach dem Untergang des Sowjetreiches. Sie glauben, alles über Peter den Großen zu wissen, und müssen sich doch eingestehen, daß sie ihn nicht begreifen. Anfangs ist es nur die Lust, sich mit Geschichten über diesen schillerndsten aller russischen Zaren zu unterhalten. Doch schon bald verwischen die Grenzen zwischen Gestern und Heute, erscheinen die höfischen Intrigen von damals wie ein Zerrbild der gegenwärtigen Verhältnisse.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 01.06.2002
Rezensent Ulrich M. Schmid erblickt in Daniil Granins Roman um fünf Petersburger Intellektuelle, die in einem verfallenen Schloss über den Begründer des russischen Imperiums disputieren, einen "Akt der Monumentalisierung" von Zar Peter. Wie der 1919 geborene Schriftsteller dabei die Tristesse des postsowjetischen Alltags mit der "erhebenden Erinnerung" an Peter den Großen kontrastiert, findet Schmidt bezeichnend. So versteht er Granins Roman als Reaktion auf das "Sinndefizit", das der Zusammenbruch des Sowjetreiches 1991 bei vielen Russen hinterlassen hat. Auch wenn Granin die Grausamkeiten Peters nicht unter den Tisch fallen lässt, ist seine Darstellung Peters nach Schmids kritischer Einschätzung von einem "enthusiasmierten Tremolo getragen", das den Herrscher aus seiner historischen Bedingtheit herauslöse. Granin sehne Peter geradezu als Retter in der Not herbei; er drücke damit eine im heutigen Russland weit verbreitete Grundstimmung aus, die Sehnsucht nach einem starken Mann, findet der Rezensent. So bietet Granins Roman nach Ansicht Schmids neben einer "fesselnden Biografie" Peters, auch einen Einblick in die gegenwärtige Befindlichkeit der älteren Generation in Russland.
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