Anna Reid

Blokada

Die Belagerung von Leningrad 1941-1944
Cover: Blokada
Berlin Verlag, Berlin 2011
ISBN 9783827007131
Gebunden, 587 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

872 Tage - von September 1941 bis Januar 1944 - kämpfte die Leningrader Bevölkerung gegen die deutsche Wehrmacht, die die Stadt eingeschlossen hatte. Weit über eine Million Menschen kamen in dieser Zeit ums Leben. Nach russischer Lesart steht die Geschichte der Belagerung Leningrads bis heute beispielhaft für den unbeugsamen Willen und die heroische Leidensfähigkeit der russischen Bevölkerung. Sie ist ein Mythos geworden. Anna Reid liefert mit ihrem Buch eine differenziertere Sicht der Ereignisse. Vor allem lässt sie die Betroffenen selbst zu Wort kommen und zeichnet so ein neues, vielschichtigeres Bild, häufig auf der Basis bislang unbekannter Quellen, offizieller Dokumente ebenso wie Tagebücher, Erinnerungen oder Gespräche mit Überlebenden. Reid erzählt von der erschütternden Inkompetenz, mit der die politisch-militärische Führung in Moskau und Leningrad auf den deutschen Vormarsch reagiert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.2011

Sönke Neitzel ist voll des Lobes für dieses Buch, das zwar, wie er meint, nicht unbedingt nach streng wissenschaftlichen Maßstäben verfasst ist, dass die gängige Perspektive auf die deutsche Belagerung von Leningrad jedoch um einen entscheidende Blickwinkel erweitert - den der sowjetischen Bevölkerung. Anhand von Tagebuchauswertungen gibt die britische Journalistin Anna Reid unserem Rezensenten Einblick in die "doppelte" Belagerungssituation der Leningrader im Winter 41/42, durch die Truppen von Hitlers Wehrmacht sowie durch den Terror und das organisatorische Unvermögen der Bolschewiki. Für Neitzel ergibt sich ein beeindruckendes Panorama der Verhältnisse in Leningrad, aus Sicht beider Seiten, flüssig und anschaulich geschrieben.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.07.2011

Als "bewegendes Panorama einer leidenden Stadt" hat Rezensentin Judith Leister Anna Reids Geschichte des belagerten Leningrads gelesen. Reid lasse wenig vom Mythos der sauberen Wehrmacht oder von dem der heroischen Frontstadt übrig, meint Leister: Die deutsche Wehrmacht hat bereitwillig die ideologischen Vorgaben des Vernichtungskriegs exekutiert, sie setzte auf das Aushungern der Stadt, bombadierte sie und verhinderte jede Flucht. Auf der anderen Seite hat die sowjetische Politik die Menschen sträflich im Stich gelassen. Es wurden keine Vorräte angelegt, die Versorgung des Militärs hatte immer Vorrang und zugleich wütete Stalins Terror weiter gegen die Bevölkerung und die politische Führung Leningrads. Außergewöhnlich findet Leister die Anschaulichkeit, mit der Reid das Leid der Menschen darstelle, die chaotischen Zustände in den Krankenhäusern, die Leichenberge oder die verzweifelten Fälle von Kannibalismus.
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