Vladimir Nabokov, Alexander Puschkin

Eugen Onegin

Ein Versroman. Kommentar von Vladimir Nabokov. 2 Bände

Klappentext

Subskriptionspreis 98 Euro bis 31.03.2010. Aus dem Russischen von Sabine Baumann unter Mitarbeit von Christiane Körner. 1949 begann Nabokov seine bewußt auf Reime verzichtende Übersetzung von Alexander Puschkins Versroman Jewgenij Onegin. Für die deutsche Ausgabe wurde Puschkins Originaltext von Sabine Baumann aus dem Russischen in zeilengetreue Prosa übertragen. Dazu schrieb Nabokov einen hier erstmals auf deutsch vorgelegten Kommentar. Mit Abstand das zeitaufwendigste und umfangreichste all seiner Werke, ist es zugleich der Höhepunkt seines übersetzerischen Schaffens. Nabokovs Beschäftigung mit Alexander Puschkin (1799 - 1837) reicht zurück zu Lektüreerlebnissen in seiner Petersburger Kindheit und zu Spielen auf dem Land an Schauplätzen aus Puschkins Leben, die in dem Kommentar geschildert werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.12.2009

Felix Philipp Ingold stellt uns Vladimir Nabokovs Kommentar zu Alexander Puschkins "Eugen Onegin" als ein bislang kaum beachtetes "Hauptwerk" vor, das über eine bloße Kommentierung allerdings weit hinaus reicht. Denn der Band ist nicht nur eine große Geschichte der russischen Alltagskultur des 19. Jahrhunderts, Poetik der russischen Romantik und weist auf Textvarianten oder Werkzitate hin, in ihm legt Nabokov zudem ganz persönliche Werturteile und Interpretationen vor, stellt der Rezensent fest. Er lässt keinen Zweifel daran, dass ihn dieses Mammutwerk beeindruckt, auch wenn er nicht allen Deutungen des Autors zustimmt. Vor allem,dass Nabokov Puschkin einerseits als "Künstler um der Kunst willen" feiert, dann aber seinem "Eugen Onegin" die Lebenswirklichkeit der Zeit ablesen will, sieht Ingold als einen "fundamentalen Widerspruch". Die neue deutsche Übersetzung des Versromans von Sabine Baumann und Christiane Körner richtet sich nach Nabokovs Vorgaben seiner englischen Fassung, erklärt der Rezensent überdies, die auf sämtliche künstlerische Mittel wie Reim und Metrik verzichtet und sich auf den Inhalt konzentriert. Er sieht dabei allerdings die ganze Sprachgewalt Puschkins verloren gehen, was er als großen Verlust beklagt und auch durch die zahlreichen Textbelege des Originals nicht aufzuwiegen ist. Hier bemängelt er zudem die Transkription der russischen Zitate, die  "ungenau, willkürlich und missverständlich" seien.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.12.2009

Heinz Schlaffer hegt die Hoffnung, dass Vladimir Nabokovs ausufernder Kommentar zu Alexander Puschkins "Eugen Onegin" das Interesse an diesem großen, heute selten gelesenen Werk befördern wird. Über ein Jahrzehnt hat der russische Autor während einer amerikanischen Professur an diesem Kommentar gearbeitet, informiert der Rezensent. Das Ergebnis ist nicht nur philologisch einwandfrei, es erfreut zudem mit dichterischer Eleganz und wartet mit einer schier unerschöpflichen Fülle von Informationen auf, so Schlaffer bewundernd. Dieser Kommentar, der mit seinen 1331 Seiten Puschkins Versepos im Umfang weit übertrifft, macht nicht allein Nabokovs geradezu unerschöpfliches Wissen augenfällig, er demonstriert eindrücklich, wie "Literatur aus Literatur hervorgeht", so der Rezensent fasziniert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2009

Feierlich bewegt wirkt Rezensent Andreas Platthaus in seiner eingehenden Kritik von Vladimir Nabokovs Kommentar zu Puschkins "Eugen Onegin" und der Neuübersetzung dieses Versepos durch Sabine Baumann, die sich an Nabokovs englischer Übersetzung und dessen sehr spezifischen Vorstellungen einer guten Übertragung orientiert. Denn der begeisterte Rezensent ist überzeugt: mit der vorliegenden Übersetzung haben wir ein verlässliches "Standardwerk" vor uns, mit Nabokovs Puschkin-Kommentar ist gar eine "Sensation" zu bejubeln! Die verwickelte Editionsgeschichte trägt Platthaus detailliert vor, und er dankt es vor allem Dieter E. Zimmer, dass Versroman und Kommentar nun - allerdings nicht wie projektiert vom Rowohlt Verlag - vom Stroemfeld Verlag publiziert werden konnten. Nach Nabokov entzieht sich Puschkins Werk einer gereimten Übersetzung, was er ebenso in seinem sehr umfangreichen Kommentar darlegt wie seine übrigen Übersetzungsprinzipien, erfahren wir. Komplettiert wird der Kommentarband mit Essays über Puschkins Urgroßvater, seine Schulbildung, aber auch Themen wie Gänsestopfleber oder das Nachleben des "Eugen Onegin" in den Werken anderer Schriftsteller, erklärt der Rezensent, für den der Band nichts weniger als ein "Quell unbegrenzten Vergnügens" bietet. Platthaus ist überzeugt: die vorliegende Übersetzung kann als die beste Onegin-Übersetzung überhaupt gelten, und der Kommentar schenkt uns zudem ein weiteres Werk Nabokovs, das mit Sicherheit interessanter ist als das Romanfragment "Das Modell für Laura", das man uns erst jüngst als Ereignis angetragen hat.
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