Cynthia Fleury

Die Klinik der Würde

Cover: Die Klinik der Würde
Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783518588185
Gebunden, 150 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Andrea Hemminger. Der Imperativ der Würde steht heute im Zentrum zahlreicher sozialer Bewegungen und gesellschaftlicher Debatten über Diskriminierung, Arbeit oder sogar Tierhaltung. Gleichzeitig haben sich jedoch Verletzungen der Würde und Erfahrungen der Würdelosigkeit vervielfacht: in Krankenhäusern und Pflegeheimen zum Beispiel oder in Flüchtlingslagern und Gefängnissen. Das Versprechen der Würde, das die Moderne stolz verkündete, scheint wiederholt verraten worden zu sein, wie die französische Philosophin und Psychoanalytikerin Cynthia Fleury in ihrem neuen Buch zeigt. Sie plädiert für eine psychoanalytische Klinik der Würde, um eine philosophische Diagnose stellen und therapeutische Lösungen finden zu können. Unter Berufung auf die Schriften von James Baldwin, auf Theorien der Sorge und postkoloniale Ansätze fordert sie dazu auf, sich nicht mit Untätigkeit abzufinden und das Konzept der Würde von seinen Rändern her neu zu denken. Im Zusammenspiel von Psychoanalyse, Literatur und Sozialwissenschaft gewinnt die Forderung nach Würde im Zeitalter des Anthropozäns so ihre ganze Radikalität zurück.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.02.2025

Rezensent Harry Nutt erfährt in dem Essay der französischen Philosophin und Analytikerin Cynthia Fleury Wissenswertes über die Würde. Was steckt hinter dem Begriff und dem Gebot der Würde, wodurch ist es gefährdet und wie sieht der Kampf um die Würde im Alltag, etwa in der Psychiatrie und in der Pflege, genau aus? Diesen Fragen widmet sich Fleury laut Nutt scharfsinnig, durchaus "theoriesatt" im Jargon und mit Hilfe eigener praktischer Erfahrungen sowie mit den Texten von Axel Honneth, Foucault u. a. Die Mechanismen der Verletzung der Würde, aber auch die Begriffsveränderung werden dabei für den Rezensenten erkennbar.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 28.01.2025

Rezensent Jens Balzer ist über weite Strecken einverstanden mit Cynthia Fleurys Gedanken zur Würde, sie haben aber, findet er, eine Leerstelle. Die Philosophin und Psychoanalytikerin Fleury erläutert philosophische Fragen aus der Perspektive einer Therapeutin, was Balzer gut gefällt. Die grundlegende These ist, lernen wir, dass Erfahrungen von Entwürdigung, zum Beispiel in Altersheimen, zu einer Form von Empörung führt, die oft nur in Selbstmitleid resultiert. Dabei sollte es darum gehen, rekonstruiert Balzer das Argument, die eigene Würde mit der anderer Menschen zu verbinden und so - Black Lives Matter kann hier ein Vorbild sein - politisch in Aktion zu treten. So weit so gut, meint Balzer, aber was ist mit jenen Kräften, die Würde auf andere Art politisieren, nämlich um einzelne Ethnien und Religionen zu stärken und Andersdenkende anzugreifen? Würde ist nicht gleich Würde, findet Balzer, das muss man bei der ansonsten lohnenden Lektüre dieses Buches mitbedenken.

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