Constance Debre

Play Boy

Roman
Cover: Play Boy
Matthes und Seitz, Berlin 2025
ISBN 9783751810135
Gebunden, 158 Seiten, 16,99 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Max Henninger. Als sie das erste Mal eine Frau küsst, ist sie zurückhaltend, verunsichert. Doch mit jedem weiteren Kuss findet sich die Protagonistin in Play Boy immer mehr in ihr neues Leben ein. Nach Jahrzehnten der Ehe mit ihrem Mann und der Erziehung des gemeinsamen Sohnes trennt sie sich von dem vermeintlichen Familienidyll. Und mit jedem Möbelstück, das sie hinter sich lässt, jedem Hemd, das sie entsorgt, legt sie Schicht um Schicht die heterosexuellen Prägungen ab. Sie führt erste Beziehungen mit Frauen, die gegensätzlicher nicht sein könnten, lernt auf andere Weise zu lieben, blickt mit neuen Augen auf ihr Aufwachsen innerhalb einer renommierten französischen Familie als Kind zweier verarmter Drogenabhängiger; auf ihren Beruf als Strafverteidigerin und die Ehe mit ihrem Ex-Mann - um im Kern eine neue Körperlichkeit zu entdecken: den Körper als Ausweg aus gesellschaftlichen Standards und als Medium der Empfindungen, um Lust zugleich zu bereiten und zu empfangen.Mit sprachlicher Wucht und entwaffnender Ehrlichkeit bricht Constance Debré mit den Tabus über Geld, Ehe, Sex, Lust und Häuslichkeit.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.08.2025

Rezensentin Eva Behrendt wirkt nachdenklich gestimmt angesichts des nun in deutscher Übersetzung erscheinenden ersten Teils von Constance Debrés Trilogie, der "kurioserweise" hierzulande erst nach dem zweiten, bereits an der Volksbühne inszenierten zweiten Teils "Love me Tender" erscheint. Nach diesem zweiten Teil, der sich um den bitteren Sorgerechtsstreit zwischen der Autorin und ihrem Ex-Mann dreht, ist nun im ersten Teil zu lesen, wie es dazu kam: um die ersten sexuellen Erfahrungen mit Frauen geht es, um die Abwendung Debrés von ihrem Leben als verheiratete Anwältin und Mutter, hin zu einem neuen Dasein als lesbische, kahlrasierte Schriftstellerin, erzählt die Kritikerin. Wie es dabei zuweilen zugeht, nämlich durchaus auch mit verächtlichen Beschreibungen verschiedener sexueller Partnerinnen, dürfte aus feministischer Sicht nicht jeder Leserin gefallen, vermutet Behrendt. Trotzdem spannend, wie Debré diese Neuerkundungen und die Emanzipation von ihrer familiären, hier großbürgerlich-elitären Herkunft nicht als "euphorisches", sondern als "melancholisches Abrissprojekt" inszeniert - im Gegensatz zu Kollegen wie Annie Ernaux oder Édouard Louis, sinniert die Kritikerin. Vor allem gefällt ihr auch in diesem Band Debrés schlichte, dabei "zutiefst lakonische und melancholische" Sprache.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 30.05.2025

Rezensent Oliver Jungen möchte diesem, wie er findet, durchaus lesenswerten Buch der Französin Constance Debré eine Triggerwarnung voranstellen: "Ein Zug kann einen anderen verbergen". Denn wenn ihm Debré in ihrer autofiktionalen Emanzipationsgeschichte von einer Frau erzählt, die ihrem Eheleben entflieht, sich in lesbische Beziehungen stürzt und dabei "ehrlich, direkt und hart" von Begehren und Verachtung schreibt, erkennt der Rezensent bald: Dahinter verbirgt sich mehr. Debré, Enkelin eines Premierminister, Tochter eines bekannten jüdischen Journalisten und eines Modells, die beide in der Drogensucht endeten, unternimmt hier eine geradezu an Jean-Jacques Rousseaus "Bekenntnisse" erinnernde Gesellschaftsanalyse, staunt der Kritiker: So klug wie gnadenlos rechnet sie von innen heraus mit der Pariser Bourgeoisie ab: Einer Klasse, so Jungen, die "von einer Bedeutung zehrt, die sie längst nicht mehr hat".

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