Aus dem Englischen von Julian Voth. Als einen "der klügsten Geister Europas" bezeichnete Hannah Arendt G. K. Chesteron, der in dieser wuchtigen Kampfschrift im Rückgriff auf mittelalterliche und antifeudale Finanz- und Wirtschaftsweisen seine eigene Theorie des Distributismus, eine Form regionalen Wirtschaftens und Konsumierens, entwirft. Erstmals auf Deutsch erscheint dieses leidenschaftliche Plädoyer gegen Kapitalismus und Sozialismus. Den Kapitalismus sieht Chesterton als eine gesellschaftliche Todesfalle, in der die Reichen immer reich genug sein werden, um die Armen einzustellen, und die Armen immer arm genug sein werden, um von den Reichen eingestellt zu werden. Den sozialistischen Staat prangert er als Bevormunder des Einzelnen an. So "versündigen sich beide am Eigentum des kleinen Mannes". In einer distributiven Gesellschaft hingegen würden die Armen durch den Besitz eines eigenen Ladens oder eines kleinen Stücks Land ihre eigenen Waren produzieren und verwenden, ihre eigenen Gesetze erlassen und so endlich die Macht über ihr eigenes Leben wieder zurückgewinnen und die Abhängigkeit durchbrechen können.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.03.2020
Stephan Speicher kann der klassischen Eleganz von G.K. Chestertons Sprache viel abgewinnen, schlicht, aber zupackend und raffiniert findet er sie. Mit den Überlegungen des englischen Oberkatholiken kann Speicher weniger anfangen. Chesterton verabscheut den Kapitalismus ebenso wie den Sozialismus, beide System brächten Moderne, Industriegesellschaft und lohnabhängige Massen hervor, was Chesterton nur verabscheute. Er plädierte für einen Distributismus, der jeder Familie drei Morgen Land und eine Kuh zusicherte. Rezensent Speicher ist der Vitalismus, der sich in diesem Modell verbirgt, nicht geheuer. Ein antisemitisches Moment erkennt er darin jedoch nicht, eher schon eine zeitbedingte Zivilisationsabkehr, die auch die frühzionistische Kibbuz-Bewegung kannte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2020
Rezensent Hannes Hintermeier traut Gilbert K. Chesterton noch einiges zu. Die erste deutsche Fassung von Chestertons Plädoyer gegen den Egoismus des Kapitalismus und für den Distributismus scheint ihm willkommen, weil durchaus auf die Gegenwart anwendbar. Ein staatlich distribuiertes Auskommen für den Erhalt, nicht für Wachstum, das kann er sich vorstellen, auch wenn ihm Chesterton im Detail etwas unbestimmt erscheint. Dass Chesterton anschaulich und beispielreich schreibt und seine Argumente skrupulös bedenkt, was Hintermeier übrigens auch dem Leser rät, nimmt den Rezensenten sehr für den Autor ein. Trotz aller Zeitbezogenheit eine kraftvolle Gesellschaftsdiagnose und -kritik, meint Hintermeier.
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