Jeanette Winterson

Warum glücklich statt einfach nur normal?

Cover: Warum glücklich statt einfach nur normal?
Hanser Berlin, Berlin 2013
ISBN 9783446241497
Gebunden, 256 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Monika Schmalz. Die Adoptivmutter, eine Pfingstlerin, hatte Jeanette Winterson zur Missionarin bestimmt. Doch mit 16 verliebt sie sich. In eine Frau. Als Jeanette auszieht, um mit ihrer Geliebten glücklich zu werden, stellt die Mutter ihr die Frage: Warum glücklich statt einfach nur normal? Viele Jahre später trifft Jeanette Winterson auf ihre leibliche Mutter und fragt sich, was aus ihr geworden wäre ohne die hungrigen Stunden im Kohlenkeller, ohne die stets dräuende Apokalypse, vor allem aber ohne das allgegenwärtige Wort der King-James-Bibel.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.04.2013

Denise Rothmair ist begeistert von Jeanette Wintersons Roman "Warum glücklich statt einfach nur normal?". Die feministische Schriftstellerin hat ein Buch geschrieben, das auch mutig feministische Konventionen hinterfragt, mutig, weil der "Kampf um Identitätsbildung und um Selbstbestimmtheit" in seiner mutmaßlichen Ausweglosigkeit geschildert wird, weil die Flucht in Literatur und Vergangenheit, in die zwei großen Fiktionen also, als einzig konkrete Hoffnung erscheint und die Autorin dennoch der Welt zugewandt  bleibt, erklärt die Rezensentin. Auch die Zeit heilt nicht alle Wunden, so könnte, etwas verflacht, eine ernüchternde Erkenntnis Wintersons lauten, meint Rothmair. Wie in ihrem ersten Roman setzt sich die Autorin in diesem Buch mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinander, mit dem Trauma der Adoption, mit ihrer herrischen Mutter, die sie in den Kohlenkeller einsperrte, mit den Schwierigkeiten als lesbisches Mädchen in einer Gemeinde der strengen "Elim Church" aufzuwachsen, die gar Exorzistengruppen auf sie jagte. Viel besser lässt sich ein zeitgenössisches Buch über das Anderssein nicht schreiben, findet die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.03.2013

"Mein Rat an alle, seht zu, dass Ihr geboren werdet!" zitiert Rezensentin Andrea Hünniger die Autorin und gibt damit die ultimative Antwort auf die unsinnige Frage weiter, die schon so viele Kinder quälte: Ob sie denn überhaupt gewollt waren. Wie Jeannette Winterson in ihrer Autobiografie wohl sehr eindringlich beschreibt, war sie für diese Frage besonders anfällig, so als adoptiertes Kind in einer Pflingstler-Familie in Manchesters Arbeitermilieu der siebziger Jahre. Die Erinnerungen an diese Kindheit unter erschwerten Bedingungen machen den ersten Teil des Buches aus, im zweiten verarbeitet sie die Trennung von einer Lebensgefährtin 25 Jahre später, die offenbar mit schweren psychotischen Schüben einherging. Hünniger hat dies mit angehaltenem Atem verfolgt, nicht zuletzt weil Winterson mit einer solch "verzweifelten Dringlichkeit" schreibt und dabei zugleich so traurig wie unterhaltsam.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.03.2013

Wer sich Literatur in "anarcho-alphabetischer Ordnung" aneignet wie die britische Autorin Jeanette Winterson kann eigentlich nicht aus einem bürgerlichen Haushalt kommen, weiß Jutta Person, dort werde sie nämlich "meistens wohlgeordnet serviert". In "Warum glücklich statt einfach nur normal?" schildert Winterson ihre schwierige Kindheit als lesbisches Mädchen in einer englischen Arbeiterkleinstadt und Pfingstlergemeinde, noch dazu mit einer "Freakshow namens Mutter", die nach dem Outing ihrer Tochter erstmal eine "exorzistische Gebetstruppe" einbestellt. In den  besten Momenten sind Wintersons Memoiren eindringlich, überzeugend und immer wieder sogar witzig, was die Rezensentin ob der eigentlich harten Umstände positiv überrascht. In den schlechteren erinnert es allerdings an ein "therapeutisches Aufarbeitungsbuch". Doch das Gute überwiegt, verspricht die Rezensentin.
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