Herausgegeben von Helga Abret. Mit dem linksliberalen Stuttgarter Reichstagsabgeordneten, Rechtsanwalt und Publizisten Conrad Haußmann verband Hermann Hesse eine lebenslange Freundschaft, von der ihre hier erstmals vorgelegte Korrespondenz Zeugnis ablegt. Steht zu Beginn ihres Dialogs noch die Literatur im Vordergrund, so dominiert nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs die Politik. Zu den Überraschungen dieses Briefwechsels zählen die Einblicke in Hermann Hesses Mitwirkung bei diplomatischen Geheimmissionen, die Conrad Haußmann in der Schweiz von 1915 bis Kriegsende mit Kontaktpersonen der Entente führte, um Deutschland einen rechtzeitigen und ehrenhaften Friedensschluss zu ermöglichen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.07.2012
Hermann Hesse bezeichnete sich selbst als unpolitischen Menschen, weil er das menschliche und das politische nicht vereinbaren konnte, berichtet Rezensent Oliver Pfohlmann. In "Von Poesie und Politik" hat Helga Abret den Briefwechsel Hesses mit dem linksliberalen Reichstagsabgeordneten Conrad Haußmann herausgegeben, der für Pfohlmann die Selbsteinschätzung des Autors zumindest ein wenig in Frage stellt. Aus den Briefen gehe hervor, dass Hesse sich in Bern um Kontakte für seinen Freund Haußmann bemüht hat, der dort die Friedensverhandlungen mit Frankreich vorantreiben wollte. Der Briefwechsel der beiden Männer zeuge aber hauptsächlich von ihrer jahrzehntelangen Freundschaft, schreibt der Rezensent. Nur selten gehe es um Politik, häufiger schrieben sie "über China und Indien, über Hölderlin und Goethe". Oliver Pfohlmann bedankt sich für die vorzügliche Edition der Briefe.
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