Christopher de Bellaigue

Im Rosengarten der Märtyrer

Ein Porträt des Iran
Cover: Im Rosengarten der Märtyrer
C. H. Beck Verlag, München 2006
ISBN 9783406543746
Gebunden, 340 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Sigrid Langhaeuser. Irans Islamische Revolution hat keine Energie mehr. Das Land stagniert, und in der Gesellschaft gärt es. Aber wo sind die Geiselnehmer und heiligen Krieger geblieben, ohne die es diese Revolution niemals gegeben hätte? Jene Männer und Frauen, die den Schah gestürzt, acht Jahre gegen den Irak Saddam Husseins gekämpft und den Westen mit ihrer Militanz und ihrem Todesmut in Schrecken versetzt haben? Und welche anderen Kräfte und Bewegungen ringen mit ihnen um Einfluss im Gottesstaat Iran? Christopher de Bellaigue nimmt uns mit auf eine temporeiche Reise durch den heutigen Iran. Er macht uns vertraut mit den historischen, religiösen und kulturellen Grundlagen der iranischen Gesellschaft, vor allem aber lässt er die Menschen des Landes zu Wort kommen - Mullahs und Revolutionäre, Intellektuelle und Künstler, fliegende Händler und Mystiker.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.06.2006

Wolfgang G. Schwanitz beschränkt sich in seiner Rezension im Wesentlichen auf wohlwollendes Referieren. Er lobt immerhin, wie einfühlsam der britische Journalist de Bellaigue am Beispiel des Lebenswegs eines Khomeini-Jüngers die verschiedenen Phasen in der kurzen und gewalttätigen Geschichte der Islamischen Republik schildert. Besonders betont Schwanitz die Bedeutung des Golfkriegs im Buch. Khomeini hatte diesen durch Eroberungsfeldzüge im Irak noch intensiviert. Den heutigen Iran sieht der Rezensent im Spannungsfeld zwischen modernen Kommunikationstechniken und Ideen der Demokratisierung und einer nationalistischen und militaristischen Politik, die den Totalitarismus des Regimes verschärfen könnte. Dem Buch entnimmt der begeisterte Rezensent, dass das Regime jedenfalls alles tun wird, um das Volk mit Populismus von seinen eigentlichen Problemen abzulenken.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.04.2006

Rezensentin Christiane Hoffmann hält das Iran-Porträt des Economist-Korrespondenten für uneingeschränkt begrüßenswert. De Bellaigue berichte nämlich von Bereichen der iranischen Gesellschaft, über die man bisher nur wenig habe erfahren können. Den Kriegsveteranen in Isfahan und damit dem Iran-Irak-Krieg sei ein wichtiger Teil des Buches gewidmet, aber auch dem islamischen Priesterseminar in Ghom oder der "mafiosen Halbwelt" des Ringerclubs im Süden Teherans. Aus vielen Einzelporträts, so die Rezensentin, habe der Autor eine "literarisch ambitionierte Großreportage" zusammengefügt, die gerade in den kleinen Detailbeobachtungen ihre große Kraft entwickle. Allerdings, gibt die Rezensentin zu Bedenken, habe der Autor als männlicher Rechercheur naturgemäß nicht alle Gesellschaftsbereiche befragen können und eine "spezielle Sichtweise". Iranische Frauen oder die junge Generation kämen nur am Rande vor. Eine weitere gegen den Autor erhobene Kritik wendet die Rezensentin ins Positive. Wenn dieser keine moralischen oder politischen Positionen beziehe, sei dies gerade das Verdienst dieser Darstellung und "schon etwas Besonderes".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.02.2006

Sehr erhellend findet Katajun Amirpur diese "faszinierende Hintergrundanalyse" über Irans verlorene Generation, die Christopher de Bellaigue nun vorgelegt hat. Die Studie des ehemaligen Iran-Korrespondenten des britischen Economist mache das Denken des gegenwärtigen iranischen Staatspräsidenten "zwar nicht tolerier-, aber doch verstehbar". Der Autor erläutere beispielsweise, mit welchen Nöten, Hoffnungen und Erwartungen die Generation, zu der Ahmadinedschad gehöre, in den Krieg gezogen sei. In diesem Zusammenhang hebt Amirpur auch den Glauben an eine gerechtere Welt als ein Motiv der iranischen Revolution hervor, berichtet über die starke Ideologisierung, der die jungen Männer der Generation Ahmadinedschads unterzogen wurden, und schildert auch deren Enttäuschungen. Amirpur würdigt die "große Sachkenntnis" de Bellaigues und resümiert: "Wer den Iran besser verstehen möchte, sollte sein Buch lesen."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.02.2006

Khomeinis Radioansprachen hätten ganze Regimenter zum Weinen gebracht, gibt Rezensent Rudolf Walther eine von vielen Berichten wieder, die der englische Autor bei seinen Reisen durch den Iran erfahren habe, und die von einer mitunter äußerst fremden Kultur erzählten. Der Iran sei für den Autor, der fließend Persisch spreche, das einzige Land, in dem "Heuchelei als gesellschaftliche Fähigkeit geschätzt" werde. Bellaigue, so der Rezensent, halte sich grundsätzlich mit "schnellen Urteilen" zurück und habe mit Menschen unterschiedlichster Herkunft und Bildung gesprochen. Einige Lebensgeschichten wie die von Kriegsveteranen würden auch die jüngere Geschichte des Iran mit einbeziehen und ein genaueres Verständnis ermöglichen. Der Rezensent hebt hier beispielsweise die Vorherrschaft und Ignoranz von Theologen selbst in militärischen Dingen hervor, mit blutigen Folgen. Bellaigue beschreibe den heutigen Iran als "Degeneration der Revolution und Herrschaft korrupter Kriegsgewinnler". Darüber hinaus, so der Rezensent, vertiefe er seine aktuellen Reiseberichte mit "instruktiven historischen und theologischen Exkursen" und leiste insgesamt eine "analytisch und erzählerisch gelungene" Darstellung. Weniger "solide" seien hingegen einige an sich unwesentliche Passagen über den iranischen Geheimdienst, bei denen der Autor ausnahmsweise aus zweiter Hand berichte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.02.2006

Sehr interessant findet Elisabeth Kiderlen diese Reportagensammlung des Economist-Korrespondenten Christopher de Bellaigue aus dem Iran. Keinen Eingang gefunden haben allerdings der neue Präsident Ahmadinedschad und der Streit um das iranische Atomprogramm (im Original ist das Buch bereits im Juni 2005 erschienen). Nach Kiderlen geht es dem Autor aber auch um etwas anderes: um die stetige Ernüchterung der iranischen Gesellschaft gegenüber dem Regime der Ayatollahs, die erst ihr Land in einen verheerenden Krieg mit dem Irak gestürzt haben und schließlich immer rigider die Erbitterung darüber unterdrücken musste. Bellaigue hat sich mit kritischen Ayatollahs getroffen, mit Geheimdienstlern und Militärs und natürlich verschiedenen Intellektuellen: Besonders spannend findet Kiderlen auch Bellaigues Bericht zu den Morden an Schriftstellern und Intellektuellen im Jahr 1998. Der Journalist Akbar Ghandji hatte bei seinen Recherchen die Machenschaften hoher Politiker ans Licht gezerrt und damit auch den Niedergang Haschemi Rafsandschanis eingeleitet, der schließlich bei den Wahlen im Juli 2005 gegen den Scharfmacher Mahmud Ahmadinedschad unterlag.