Klappentext

Eine fremde Welt zwischen Tradition und Rebellion. Frauengeflüster in der Sauna, von Aufseherinnen mit Kopftüchern und bodenlangen Mänteln belauscht, entrückte Gläubige am Grabmahl der Fatima, Frauen, die verzweifelt versuchen, die Unterwerfung nicht als Unterwerfung erscheinen zu lassen, ein junger Mann, der ein Selbstmordattentat verüben will - dieses Buch geht sehr nah heran an ein Land, über das wir immer noch wenig wissen, obwohl es in aller Munde ist: Iran. Fünf Jahre hat Christiane Hoffmann als einzige deutsche Journalistin in Teheran gelebt. Ob auf der Entbindungsstation oder im Leichenwaschhaus, unmittelbar und zugleich einfühlsam beschreibt sie das Land. Dabei legt sie auch die persönliche Verwicklung und Verunsicherung einer westlichen Frau in einem muslimischen Land frei, die immer wieder an die Grenzen ihrer Toleranz stößt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.07.2008

Bahman Nirumand hat Christiane Hoffmanns Buch über den Iran recht positiv aufgenommen. Der Journalistin, die fünf Jahre als Korrespondentin in Teheran gelebt hat, geht es seines Erachtens nicht um eine weitere politische Analyse des Iran, sondern um den Versuch einer Innenansicht der iranischen Gesellschaft, den Versuch auch, die scheinbaren oder tatsächlichen Widersprüche besser zu verstehen. Das ist der Autorin, die dank ihrer Beherrschung der persischen Sprache breiten Kontakt zur Bevölkerung gefunden hat, nach Ansicht Nirumands auch gelungen. Er bescheinigt ihr, tief in das Denken und Fühlen von Iranerinnen und Iranern eingedrungen zu sein. Dabei hebt er ihre ambivalenten Gefühle und ihre zunehmenden Zweilfel an der universellen Gültigkeit der westlichen Zivilisation hervor. Er betont auch, ihr gehe es nicht darum, diese Fragen zu beantworten, allgemeine Thesen aufzustellen, Urteile zu fällen. Lobend äußert er sich über die "schöne Sprache" der Autorin, deren Momentaufnahmen das Bild einer vielfältigen Gesellschaft ergeben, die um einen eigenen Weg ringt. "Selten", resümiert Nirumand, "ist der in Iran spürbare Kampf zwischen Gottesstaat und Republik, der Aufprall der Moderne auf die Tradition so anschaulich und einfühlsam beschrieben worden."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.07.2008

Potenzial, die "falschen Fronten" manipulativer Politik zu durchbrechen, erkennt Adolf Muschg in diesem Buch der ehemaligen Iran-Korrespondentin Christiane Hoffmann. Dem schwierigen Ansinnen der Autorin, verschleierte Gesichter und verschleierte Sprache wieder kenntlich zu machen und die eigene Identität zu hinterfragen, bringt Muschg jede Menge Respekt entgegen. Nicht nur stellt der Rezensent durch den sensiblen Zugriff der Autorin fest, wie gut sich das Eigene gerade durch das Anderssein des Anderen begreifen lässt und wie wenig eindeutig Identität wirklich ist. Er versteht am Ende auch besser, dass noch hinter der "militanten Maskierung" der Sprache das Menschliche wartet, entziffert zu werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.05.2008

Rezensentin Parinas Parhisi ist im Großen und Ganzen recht zufrieden mit Christiane Hoffmanns "kenntnisreicher" Annäherung an die komplexen Realitäten des iranischen Alltags. Die Korrespondentin der FAZ lässt sich bei ihren Beobachtungen zwar hin und wieder von einigen Klischeevorstellungen leiten, schreibt sie, dennoch mache Hoffmann westliche Vorstellungen nicht zur Messlatte für ihre Erlebnisse. Dies führe dazu, dass Hoffmanns Verhältnis zum Iran alles in allem "angetan, aber nachdenklich gestimmt" sei. Eine zentrale Rolle spielen nach Meinung der Rezensentin "immer wieder starke, emanzipierte Frauen, die zum Teil eine religiöse Lebensweise verfolgen." Für Parhisi zeichnet Hoffmann insgesamt ein "sensibel differenziertes Porträt" des Iran, das sich aus "facettenreichen Beobachtungen" ergibt.