Christoph Ransmayr

Geständnisse eines Touristen

Ein Verhör
Cover: Geständnisse eines Touristen
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783100629272
Gebunden, 137 Seiten, 12,00 EUR

Klappentext

Interviews werfen oft Fragen auf, die sich der Befragte nie oder ganz anders stellen würde. Dann wird eine Spielform des Erzählens zum Verhör. In den "Geständnissen eines Touristen" hat Christoph Ransmayr Gespräche, die im Interesse von Journalen wie Der Spiegel, Neue Zürcher Zeitung, New York und London Times, Corriere della Sera oder Le Monde geführt wurden, in ein fiktives Verhör verwandelt, in dem nach Geschichte und Abenteuer, Politik, Literatur, Kritik, auch dem Verschwinden gefragt wird. Und stets antwortet ein Autor, der nicht als Schriftsteller, nicht als Dichter sprechen will, sondern lieber als Durchreisender, ja als gelassener, zorniger oder ratloser Tourist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.07.2004

Dieses Buch, vermutet Rezensent Christoph Bartmann, ist die PR eines sonst PR-scheuen Mannes, der aber vielleicht befürchtet, zwischen zwei seiner Romane in Vergessenheit zu geraten. Vielleicht nicht ganz grundlos, denn eins sei sicher: Christoph Ransmayr liebt es nicht, interviewt zu werden. Fast genial also die Idee des vorliegenden Buches: Ransmayr hat eigene Äußerungen aus Interviews und Gesprächen zusammengetragen und in ein "fiktives Selbstverhör" umgeschrieben. Meistens jedoch antworte er "leicht missmutig oder unwirsch", weil ihm die Fragen der "namenlosen Journalisten" schlicht zu "dumm" seien, zu allgemein (Gentechnik usw.) oder zumindest zu "schematisch". Oft auch zu unwissend, was Ransmayrs Biografie angeht, um die wirklich interessanten Fragen zu stellen - schließlich hat der Schriftsteller auf seinen - meistens zu Fuß unternommenen - Reisen vieles gesehen. Die Wohltemperiertheit des Wanderers vermisst der Rezensent jedoch gelegentlich, in so manch polemisch gehaltener Passage: "Einen Kanon? Einen Kanon des Bleibenden wollen Sie? Einen Kanon. Du lieber Himmel. Ich habe diese Missionare, die mit Vertretermiene und einer Bücherkiste vor den Türen warten, noch nie besonders gut leiden können.". Kurz: "Geständnisse eines Touristen" ist ein regelrechter Leitfaden um Ransmayr in Zukunft zu interviewen - oder es bleiben zu lassen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.06.2004

Samuel Moser ist ein begeisterter Leser von Christoph Ransmayrs Erzählungen, deshalb weiß er: Sie spielen auf Reisen, in der Welt, doch die Welt, die der Autor darstellt, ist seine Erfindung. Fragt sich also, wie Reisen und Erzählen in Beziehung stehen, und Aufschluss darüber, wenn auch - zum Glück! - keinen nüchtern-direkten, hat der Rezensent in diesem "Selbstinterview" gefunden. "Wohin geht der Erzähler nach dem Ende seiner Geschichte? fragt Ransmayr", und seine Antwort, so Moser, "schwankt zwischen Wirklichkeit und Metapher, zwischen Gehen und Erzählen, bis schliesslich das eine zum anderen und beides ununterscheidbar wird". Der Rezensent lobt das Buch als ein ?"wunderbares Lob der Flüchtigkeit" und hat es, zusammen mit der 2003 erschienenen Redensammlung "Die Verbeugung des Riesen" als Teil eines poetischen Programms gelesen - "einer Poetik, die ganz von selbst wieder ein literarischer Text wird, der das Schreiben über das Reisen mitnimmt auf eine neue Reise". Die der Rezensent sehr gerne gemacht hat.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.03.2004

Christoph Ransmayr hat im Literaturbetrieb alle nur denkbaren Phasen durchgemacht, stellt Dorothea Dieckmann mitfühlend fest, er wurde ignoriert, hoch gelobt, wieder verschmäht, um heute ein weltweit anerkannter Schriftsteller zu sein, so die Rezensentin. Stets habe sich Ransmayr schwer damit getan, seinen "Erzählraum" zu verlassen und sich im "journalistischen Meinungskasino", wie er es nannte, zur Schau oder Diskussion zu stellen. Erstmals nun gibt der Dichter über sich selbst Auskunft, freut sich Dieckmann, ein fiktives Geständnis zwar, aber ein höchst souveränes. Zunächst einmal weise Ransmayr die ihm zugewiesene Rolle als Dichter und Person öffentlichen Lebens zurück und bezeichne sich selbst nur als Touristen, als schreibenden Streuner, der mit leichtem Gepäck und einer großen Portion Neugier losziehe, die Welt zu durchwandern und selbst zu erfahren. Das erfordert vom Reisenden stets auch Verzicht und Abschied, formuliert Dieckmann Ransmayrs Gedanken aus; jedes Erzählen schließe so auch ein Bewusstsein vom Ende mit ein. Die Aktualität habe dabei nichts zu suchen. Kein Interview hätte je erreicht, was die "Geständnisse eines Touristen" leisten, frohlockt Dieckmann: die erschöpfende und freie Selbstaussage eines Dichters, der gelernt habe zu relativieren, ohne zynisch zu werden. Eine große Kunst, so Dieckmann.
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