Christoph König zeigt, wie Günter Grass in seinem umstrittenen autobiografischen Buch "Beim Häuten der Zwiebel" sein jüngeres Ich, von dem er in dritter Person spricht, fortwährend verächtlich macht. Wie verhält sich es sich aber mit den hier ausgesprochenen Vorwürfen und Verdachtsmomenten gegenüber dem Erzähler selbst? Christoph König weist nach, wie Grass erzählerisch das Erinnern seinen Darstellungsinteressen unterordnet, indem er jeden denkbaren Einwand selbst vorwegnimmt. Der Erzähler vollzieht am erinnerten Ich, das er "Er" nennt, die Entnazifizierung, die sich für den Erzähler dann scheinbar erübrigt. Dadurch wird der Text aber zum Beweis einer "Komplizenschaft zwischen Ich und Er".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.06.2008
Nach einer kurzen Einführung in die Diskussion um Günter Grass' SS-Zugehörigkeit in jungen Jahren, die der Schriftsteller 2006 in seiner Autobiografie "Beim Häuten der Zwiebel" und einem FAZ-Interview zugegeben hatte, widmet sich der Rezensent Lothar Müller dem "kleinen polemisch-philologischen Traktat" des Literaturprofessors Christoph König "Häme als literarisches Verfahren". Müller sieht in Königs kurzem Text den Versuch, die Trennung Günter Grass' in Schriftsteller und politischen Moralisten, die der Historiker Michael Wolffsohn angesichts der SS-Debatte gezogen hatte ("Bleiben werden seine Worte, nicht seine Werte"), wieder aufzuheben und den Nobelpreisträger als Schriftsteller zu fassen, dessen Werk als Ausdruck eines politischen Willens zu gelten hat. Dieser These kann Müller überhaupt nicht zustimmen. Zwar nennt er das Buch wegen seines Diskussionspotentials "verdienstvoll", findet die Lesart Königs aber "spekulativ überdehnt". Und Königs These, Grass selbst habe aus der Häme eine literarische Technik gemacht, deutet Rezensent Müller als "Retourkutsche", der König einst selbst der "kleinlichen Häme" bezichtigt hatte.
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