Carl Hanser Verlag, München 2026
ISBN
9783446285682 Gebunden, 176 Seiten, 18,00
EUR
Klappentext
Anhand internationaler Beispiele zeigt Christoph Bartmann wie Rechtspopulisten die Kulturpolitik als Kampfplatz für ihre Ideologie nutzen. Museen, Theater und Bibliotheken sind scheinbar nicht die Orte, von denen aus sich die Gesellschaft gestalten lässt. Wer sich in der Politik profilieren will, versucht sich auf anderen Feldern. Rechtspopulistische Parteien erkennen in dieser Gleichgültigkeit ihre Chance. Für sie ist Kultur der Kampfplatz, auf dem sie ihre anti-modernen, völkischen und homophoben Ideen durchsetzen können. In Polen, Österreich und den USA gehört das schon jetzt zum erschreckenden Alltag. Christoph Bartmann schlägt Alarm: Wenn die liberale Mitte diese Gefahr nicht ernst nimmt, hat die Rechte leichtes Spiel. Noch ist es nicht zu spät, Strategien gegen deren Kulturkampf zu entwickeln.
Ganz stark findet Rezensent Björn Hayer Christoph Bartmanns kriegerisch titelnden Essay zur Kunstfreiheit. Souverän und vor allem "global kundig" lege Bartmann darin dar, wie die Kultur in Deutschland und Europa, aber auch in den USA zunehmend von rechts unter Druck gesetzt werde. Als zwei Hauptmotive in Bezug auf Deutschland stechen dem Kritiker dabei die Forderung nach einer "anderen Erinnerungskultur" und der "Wokeness"-Vorwurf von Seiten der AfD ins Auge. Aber Bartmanns Studie mache vor allem auch die Verschiedenartigkeit der "Virulenz" deutlich, lobt Hayer: So komme er etwa auf Italiens Bestrebungen zu sprechen, staatliche Gelder zur "Etablierung einer rechten Kultur" einsetzen zu wollen (wie in einer Ausstellung zum von rechts vereinnahmten Tolkien), wohingegen in den USA schon - zumindest teilweise - Kulturetats einfach ganz gestrichen würden. Wie Bartmann solche Differenzen im Blick hat, dabei aber einheitlich "Anlass zu Sorge" gibt und auch die Schwächen des vermeintlich "linksgrünen Kulturbreis" aufzeigt, Widerständiges gegen diese Attacken aufzubieten, scheint dem Kritiker "geistreich und brisant".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.02.2026
Kaum ein gutes Haar lässt Rezensent Peter Laudenbach an Christoph Bartmanns Buch zum rechten Kulturkampf in Deutschland. Am besten gelingen dem Goethe-Institut-erfahrenen Bartmann noch Passagen zu rechten Taktiken in anderen Ländern wie etwa den USA. Ansonsten argumentiert er leider fürchterlich ungenau, etwa wenn er nicht zwischen rechtsextrem und konservativ unterscheidet, oder bei der Analyse der AfD-Kulturpolitik nicht weit über Gaulands "Vogelschiss"-Zitat hinaus kommt, kritisiert Laudenbach. Wenn Bartmann den rechten Autor und Kubitschek-Spezi Lothar Fritze zitiert oder über das angeblich nicht mehr texttreue Regietheater herzieht, bedient er gar selbst rechte Narrative, ärgert sich der Kritiker. Ihm ist das insgesamt alles zu pauschal und kenntnisarm formuliert. So wie in diesem Buch kommt man den kulturkämpferisch ambitionierten Rechten garantiert nicht bei, ist er überzeugt.
Kein gutes Haar lässt Rezensent Nils Schniederjann an Christoph Bartmanns Buch über den rechten Kulturkampf. Dabei sollte es der Kulturfunktionär Bartmann, der mehrre Goethe-Institute leitete, beileibe besser wissen. Aber dem Rezensenten scheint, dass der Autor den Gegner, also die politische Rechte, die sich vor allem im Feld der Kultur über die Jahre Einfluss verschafft hat, nicht wirklich kennt. Anstatt die Ideologie hinter dem rechten Kampf gegen woke zu analysieren, nennt er sie schlicht eine Schimäre, da es eine entsprechende linke Kulturpolitik schlicht nicht gebe. Auch, dass die Rechte kein eigenständiges kulturelles Programm habe und sich außerdem aus weitgehend ungebildetem Personal rekrutiere, nimmt Schniederjann Bartmann nicht ab. Wer sich auf den Veranstaltungen der Rechten in Ostdeutschland umschaut oder sich mit rechten Kaderschmieden wie der Sommerakademie in Schnellroda auseinandersetzt, weiß es besser, meint der Rezensent. Bartmann hat, vermutet Schniederjann, die letzten zehn Jahre Rechtsruck schlicht verschlafen. Über den Lösungsvorschlag des Autors, der darauf hinausläuft, einfach bessere Kulturpolitik zu machen, kann der Rezensent nur den Kopf schütteln. Dieses Buch, so das bittere Fazit, ist höchstens dazu gut, darzustellen, was alles falsch läuft in der deutschen Kulturpolitik.
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