Wiglaf Droste war ein Genie der kurzen Form. Als Autor, Sänger und Vorleser führte er ein wildes Leben auf Lesebühnen, in Zeitungen und im Radio, auf der Suche nach Wahrheit und Liebe. Geboren und aufgewachsen in Ostwestfalen, wollte er Rockmusiker werden und wurde dann "der Kurt Tucholsky unserer Tage" (Willi Winkler). Wiglaf Droste wurde als Satiriker gefürchtet und gefeiert, doch er nannte sich selbst "einen einfachen Jungen vom Land". Er wollte sich nie daran gewöhnen, "dass die Welt sich oft weigert, sich mir von ihrer schönsten Seite zu zeigen". Meueler hat mit seinen Freunden und Verwandten gesprochen, mit Zeitzeugen und Weggefährten, mit Vincent Klink, mit Bela B, Max Goldt u.a. Es ist eine berührende Geschichte von Mut und Angst und eine Entdeckungsreise in eine untergegangene Welt, als im kulturellen Leben alles möglich schien.
Rezensent Louis Berger sehnt sich nach der radikalen Kritik, wie sie der Satiriker Wiglaf Droste noch betrieb, und lobt die Biografie von Christof Meueler dafür, in diese einzuführen. So könnte auch eine jüngere Leserschaft sich bekanntmachen mit dem vor allem in den Achtziger und Neunziger Jahren berühmt-berüchtigten, 2019 an Alkoholismus verstorbenen Sänger und Autor, der Meister der Provokation war: Fern von heutiger Comedy-Publikums-Erbauung, so Berger, stach der Ostwestfahle stets souverän direkt "ins Wespennest", selbst wenn er dafür vor dem Gericht landete wie im Fall seiner Beleidigung von Feldjägern als "Waschbetonköpfe", rekapituliert Berger. Dass unter dieser mangelnden Rücksicht auf Verluste auch Menschen in seinem direkten Umfeld zu leiden hatten, etwa sein Sohn, stelle Meuelers Biografie bei aller Sympathie "differenziert" dar, lobt der Kritiker. Auch, dass der Biograf mit Weggefährten wie Christian Y. Schmidt und Bela B gesprochen hat und "minutiös" den Zeithorizont schildert, der Drostes Schaffen prägte, gewährt ihm die Anerkennung des Kritikers, der sich ohnehin als Droste-Fan outet.
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