Traditionellerweise herrscht die Vorstellung vor, die Generation, die den Zweiten Weltkrieg in der Schweiz miterlebt hat - die so genannte Aktivdienstgeneration - sei eine homogene Einheit gewesen: abwehrbereit und geschlossen. Doch war dies wirklich der Fall? Die vorliegende Studie zeigt durch eine Analyse von Interviews, Erinnerungsschriften, militärtheoretischer Literatur, Propagandatexten und Archivquellen, dass das traditionelle Bild der Aktivdienstgeneration im wesentlichen durch die Propaganda der geistigen Landesverteidigung geprägt war. Die gegen Ende der dreißiger Jahre zunehmend polarisierte Geschlechterordnung spielte dabei eine zentrale Rolle. Das Bild des Wehrmannes, der mit dem Karabiner in der Hand die daheim gebliebene Familie beschützt, sowie das Bild der Schweizerin als Hausfrau und selbstlose Unterstützerin ihres wehrpflichtigen Mannes wurden zu normativen Leitbildern.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.08.2007
Viel gelernt hat Rezensent Rudolf Jaun in dieser Dissertation von Christof Dejung über den Zusammenhang von Militär und Geschlecht. Darin widerlege der Autor zunächst den Mythos, dass die Kampfbereitschaft der damaligen "Vaterlandsverteidiger" rein auf nationaler Solidarität beruhte. Dieses verzerrte "traditionelle Geschichtsbild" unterzieht er unter alltags- und geschlechterspezifischer Perspektive einer neuen Untersuchung und kommt unter anderem zu dem Schluss, dass die schmählich späte Einführung des Frauenstimmrechts auch in dem männlichen, "militärzentrierten Geschichtsbild" begründet lag. Auch wenn sich der Rezensent an einer mitunter "disparaten Quellenbasis" stört und eine metaphorische Verunklärung "realer militärischer Begebenheiten" entdeckt, lobt er Dejunges Arbeit, die doch insgesamt "in vielen Teilen anregende und neue Einsichten" vermittelt.
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