Jugendliche galten in der Schweizer Nachkriegszeit als auffällige und abweichende soziale Gruppe. Jugendverbände und die Schweizerische Unesco-Kommission forderten Studien und jugendpolitische Reformen. Die Analyse dieser Debatten im Zeitraum von 1945 bis 1979 gibt Einblick in einen gesellschaftlichen Grundkonflikt: Während die Erwartungen an Jugendliche als Garanten gesellschaftlicher Stabilität in den 1960er-Jahren zunahmen,
entfernten sich diese von traditionellen Normen. Die Studien und das Ringen um eine Jugendpolitik waren Teil eines krisenhaften Lern- und Anpassungsprozesses, mit dem Schweizerinnen und Schweizer auf die Herausforderungen des rasanten gesellschaftlichen Wandels reagierten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.05.2019
Rezensent Urs Hafner erfährt aus der Dissertation der Historikerin Rahel Bühler Wissenswertes über die Genese der Jugendkultur und ihrer Erforschung. Originell erscheint ihm, wie die Autorin die Ambivalenz der Erwachsenenperspektive auf die Jugend zwischen Ablehnung, Kritik und Nachahmung herausarbeitet. Von den Bemühungen der Pädagogen im 19. Jahrhundert über die Abgrenzungsbestrebungen ab 1968 bis zur Etablierung einer Eidgenössischen Kommission für Jugendfragen lernt Hafner die Entwicklungen auf beiden Seiten kennen und lernt von Bühler auch, welchen Fehleinschätzungen die Forschung aufsaß und wo die Gründe dafür lagen.
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