MIt 27 schwarz-weiß Abbildungen. Diese Studie verbindet die beiden Felder Vertriebenenforschung und Katholizismusforschung. Am Fallbeispiel des Oldenburger Landes wird erörtert, welche Folgen die Aufnahme der Flüchtlinge für die katholische Kirche hatte. Zwischen den Polen "Bewahrung der Identität" und "Integration" entwickelte sich auch im innerkirchlichen Bereich ein Richtungsstreit, der letztlich zugunsten der Integrationslösung entschieden wurde. Das Flüchtlingsphänomen wird in seinen Auswirkungen auf das "katholische Milieu" betrachtet. Das Buch bietet einen exemplarischen Baustein der Zeit- und Kirchengeschichte der westlichen alliierten Zonen und der jungen Bundesrepublik Deutschland.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.03.2003
Während die Forschung den Säkularisierungsschub im katholische Milieu bisher im Gefolge der Studentenbewegung Ende der sechziger Jahre gesehen hat, kann Michael Hirschfeld in seiner Studie "Katholisches Milieu und Vertriebene" nach Einschätzung von Rezensent Wolfram Pyta zeigen, dass dieser Prozess wesentlich früher zu datieren ist und mit dem Zustrom der Vertriebenen zusammenhängt. Wie Pyta ausführt, gingen vom Zustrom der Vertriebenen in den Jahren 1945-1965 "desintegrative Impulse" aus, was schließlich zu einer Aufweichung des katholischen Milieus führte. Hirschfeld konstatiere ein Scheitern der Kulturbegegnung innerhalb des katholischen Milieus, weil zwei schwer miteinander kompatible Frömmigkeitsformen aufeinandergeprallt seien, nämlich die ostdeutsch-schlesische Volksreligiosität und die sich in der Beachtung kirchlicher Gebote erschöpfende Traditionskirchlichkeit unter den Einheimischen, referiert Pyta ein Ergebnis von Hirschfelds Studie. Kritisch merkt er an, dass eine sozialhistorische Differenzierung der katholischen Vertriebenen, die bei Hirschfeld immer nur als Kollektiv auftauchten, nach Alter, Geschlecht und Profession, völlig fehle. Insgesamt würdigt der Rezensent die Studie dennoch als einen "gewichtigen Beitrag" zur Forschung, der sich vor allem durch sein "akribisches Quellenstudium" auszeichnet.
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