Aus dem Italienischen von Thomas Atzert. Christian Marazzi liefert in "Verbranntes Geld" eine Analyse der Finanzökonomie, die heute die Wirtschaftskreisläufe in ihrer Gesamtheit durchdringt. Die globale Krise des Finanzkapitalismus ist nicht etwa eine unproduktive oder parasitäre Abweichung auf dem Weg zu mehr Wachstum. Im Gegenteil, es offenbart sich darin eben die Form der Akkumulation des Kapitals, die den neuen Prozessen der Produktion und der Wertschöpfung genau entspricht. Zwischen Realwirtschaft und Finanzwirtschaft ist keine scharfe Trennung mehr zu ziehen, und der Kapitalismus ist längst nicht mehr mit Industriekapitalismus gleichzusetzen, sondern tritt ebenso als Biokapitalismus und Wissenskapitalismus in Erscheinung.
Als das "wichtigste Buch über die Krise" in diesem Herbst würdigt Ulrike Heike Müller diesen Essay von Christian Marazzi. Dem italienischen Ökonom gelingt es in ihren Augen, die Ursachen, Wirkungen und Folgen der Finanzkrise und der Krise des Euro prägnant zu erfassen und zu analysieren. Die Ausdehnung der Finanzlogik, die Entwicklung weg von einer Real- zu einer Finanzökonomie und zu neuen Formen der Kapitalakkumulation erläutert der Autor für sie klar und geradlinig. Besonders hebt sie hervor, dass sich Marazzi auch Gedanken über einen Weg aus der Krise und eine Umgestaltung des Finanzsystems macht, ohne besserwisserisch zu erklären, wie ein neues Wirtschaftssystem aussehen könnte. "Verbranntes Geld" bietet für Müller nicht zuletzt eine überzeugende "intellektuelle Basis" für neue Formen des Widerstands gegen den Krisenkapitalismus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.10.2011
In die derzeitigen Kapitalismuskritik schaltet sich der an der Universität von Lugano Ökonomie lehrende Christian Marazzi mit einem gerne polemisch argumentierenden, aber insgesamt für den Rezensenten Uli Müller überzeugenden Buch ein. Der Autor ist nicht der erste, der den herrschenden Finanzkapitalismus als Irrweg ansieht und die derzeitige Krise als geradezu gesetzmäßig versteht, betont der Rezensent. Warum er dieses nur 122 Seiten starke Buch dennoch für sehr lesenswert hält, ist Marazzis stimmige globale Analyse der Ursachen, seine nachvollziehbare Beschreibung des Phänomens der "Finanzialisierung", in der immer neue Gewinne nurmehr mit reinen Geldgeschäften gemacht werden, und seine Beurteilung der Euro-Krise. Auch gegenüber dem Vorschlag einer "echten supranationalen Währung" ist Müller offenbar nicht abgeneigt und so ist sein Urteil über dieses "gedankliche Feuerwerk", das Marazzi hier in die aktuellen Debatten schießt, durchweg positiv.
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