Liebe und Trauma sind so eng verknüpft wie Vergangenheit und Gegenwart in Chris Lauers lyrischem Debüt. Vom Zeltfest mit betrunkenen Fäusten und starren Rehaugen über Hoffnung auf gemeinsames Gesunden bis zum "Kuss, der einem Handschlag glich" reicht das Panorama von Begehren, Zuneigung und Ablehnung. Lauer schreibt offen über die Schwierigkeit selbstbestimmter weiblicher Sexualität. Der Band beginnt intim und erweitert dann die Perspektive auf die Phänomene der von Gewalt geprägten Gegenwart, die Lauer in Verszeilen fasst. Die großen Themen, sie scheinen dabei immer wieder durch. Schmerzhaft wie ein Widerhaken durchwirken die Gedichte die Familiengeschichte, die Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg auf der Seite der Verfolgten. Dann wieder schafft Lauer Distanz zu Lärm und Chaos der Gegenwart und entrollt weite sprachliche Landschaften: "Ich fotografierte / Fassaden wie aus mattem Kupfer und / Zerstäubtes Brückenlicht, das abends / Die verlorene Hälfte wiederfindet: / Eine Aureolenreihe, / Durch die lautlos Kähne gleiten."
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 09.11.2023
Man muss sich in diesen Debütband verlieben, verkündet Rezensent Björn Hayer überzeugt: Die Gedichte der Luxemburgerin Chris Lauer berühren ihn nicht nur thematisch, sondern vor allem durch ihren poetischen Einfallsreichtum. Um (vergehende) Liebe geht es ebenso wie um Traumata, aber auch um Zeitgeschichtliches, so "Dass einem wie winternasse Korrekturfahnen/Das Derzeit ins Gesicht schlägt." Lauer schafft sich Hayer zufolge eine ganz eigene, Unmittelbarkeiten herstellende Sprache, die den Finger auch in die tiefen Wunden legt und empfiehlt den Band dringend zur verweilenden Lektüre.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Ben Lerner: Transkription Aus dem amerikanischen Englisch von Nikolaus Stingl. Er reist an die US-amerikanische Ostküste, um das letzte Interview mit seinem neunzigjährigen Mentor Thomas zu führen,… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Karl Ove Knausgard: Arendal Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Wo ist dein Platz im Leben? Wohin gehörst du? Wo liegen deine wahren Gefühle?Wir schreiben das Jahr 1976. Syvert Løyning ist nach einer…